Menopause, Nervensystem und der Druck zur Selbstoptimierung

 
 

Ich habe vor ein paar Tagen einen YouTube-Beitrag von Dr. Mindy Pelz gesehen, der sehr gut zu einer inneren Auseinandersetzung passt, die mich schon länger begleitet: dieser zunehmende Selbstoptimierungsdruck – gerade im Gesundheits- und Persönlichkeitsentwicklungsbereich.

Dr. Mindy Pelz ist für mich eine wichtige Stimme rund um Stoffwechsel, Fasten und Frauengesundheit. In diesem Beitrag spricht sie darüber, dass sie 2026 mit vielem aufhören möchte, was sie selbst über Jahre vertreten hat – nicht, weil es grundsätzlich falsch wäre, sondern weil sie beobachtet, wie viel Druck daraus entstanden ist. Besonders für Frauen in der Lebensmitte.

Beim Hören habe ich gemerkt, wie sehr dieser Beitrag an Gedanken anschließt, die mich selbst schon länger begleiten. An die Frage, wie schnell Gesundheit – und auch Persönlichkeitsentwicklung – zu einem weiteren Feld werden kann, in dem wir an uns arbeiten, uns verbessern, uns disziplinieren.

Viele Frauen kommen in die Perimenopause oder Menopause nicht mit zu wenig Einsatz – sondern mit einem Nervensystem, das bereits lange unter hoher Daueranspannung steht. Verantwortung, Arbeit, mentale Last, ständiges Organisieren und Mitdenken. Und dann beginnt eine Phase, in der der Körper weniger kompensiert – während gleichzeitig die Anforderungen an „optimale Gesundheit“ weiter steigen.

Ich erkenne darin auch meine eigene Geschichte.

Ich habe lange gedacht, ich könne mein Leben einfach in derselben Intensität weiterführen wie früher. Und habe mich gewundert, warum mein System irgendwann empfindlicher reagiert hat: schneller erschöpft, weniger belastbar, stressanfälliger.

Heute sehe ich das nicht mehr als persönliches Defizit, sondern als Zeichen eines Nervensystems, das über lange Zeit sehr viel getragen hat.

Und genau hier liegt für mich ein zentraler Punkt:
Sport, Ernährung, Hormonersatztherapie, Schlaf – all das kann unglaublich hilfreich und stabilisierend sein. Ich schreibe selbst viel darüber und erlebe auch persönlich, wie sehr mir Bewegung und Struktur gut tun.

Gleichzeitig wird mir immer deutlicher, dass all diese Maßnahmen ihre Wirkung nur begrenzt entfalten können, wenn das Nervensystem dauerhaft unter Druck steht. Und ein Teil dieses Drucks entsteht nicht nur von außen, sondern auch aus unserem eigenen Anspruch heraus: es richtig zu machen, konsequent zu sein, nichts zu verpassen, uns optimal zu versorgen.

Dann wird Gesundheit selbst zu einer weiteren Anforderung.

Ich glaube, viele Frauen bewegen sich genau in diesem Spannungsfeld: zwischen hilfreicher Struktur und innerem Druck. Zwischen Fürsorge und Selbstoptimierung. Zwischen dem Wunsch, gut für sich zu sorgen – und dem Gefühl, es vielleicht nie ganz zu schaffen.

Für mich wird in dieser Lebensphase immer klarer: Das Nervensystem spielt eine Schlüsselrolle. Nicht als zusätzlicher Punkt auf einer Liste, sondern als Grundlage, auf der alles andere überhaupt wirken kann.

Vielleicht geht es deshalb weniger darum, noch mehr zu tun.
Sondern darum, den inneren Druck zu verringern, unter dem wir versuchen, gesund zu leben.

Ich werde mein Krafttraining ganz sicher nicht aufgeben – im Gegenteil, es gibt mir Halt und Erdung. Aber ich spüre gleichzeitig, wie wichtig es ist, dass diese Dinge aus Unterstützung entstehen dürfen und nicht aus Zwang. Dass es Tage geben darf, an denen etwas nicht gelingt, ohne dass daraus sofort Bewertung entsteht.

Ich glaube, viele Frauen spüren in der Menopause, dass sich etwas verschiebt. Dass das alte Funktionsmodell nicht mehr trägt. Dass Gesundheit nicht mehr über Selbstüberforderung organisiert werden kann.

Für mich fühlt sich das nicht wie Aufgeben an.
Sondern wie ein feineres Abstimmen auf den eigenen Körper.

Und vielleicht ist genau das eine der stillen Aufgaben dieser Lebensphase:
nicht noch besser zu funktionieren –
sondern anders mit sich selbst umzugehen.

Was Dr. Mindy Pelz aktuell bewusst reduziert

In ihrem YouTube-Beitrag beschreibt Dr. Mindy Pelz fünf Bereiche, in denen sie ihren Umgang mit Gesundheit neu ausrichtet. Nicht, weil diese Dinge grundsätzlich falsch wären – sondern weil sie beobachtet, dass daraus für viele Menschen zusätzlicher Druck entstanden ist.

1. Weniger Messen und Zählen
Sie möchte sich weniger über Messwerte und Zahlen orientieren (z. B. Makros, Blutzucker, Schlafdaten, Fitness-Tracking) und stärker über Körperwahrnehmung und eigenes Empfinden.

2. Bewegung mehr an persönlicher Stimmigkeit ausrichten
Nicht jede Form von Training passt zu jeder Person oder Lebensphase. Sie verlagert ihren Fokus stärker auf funktionale Bewegung und Aktivitäten, die ihr Freude machen – statt auf Pflichtprogramme.

3. Sich aus dem permanenten Zeitdruck lösen
Sie beschreibt, wie sehr äußere Anforderungen, Reaktionsgeschwindigkeit und Dauererreichbarkeit das Nervensystem aktivieren können – und möchte bewusster im eigenen Tempo leben.

4. Gesundheit vor Produktivität stellen
Regeneration, Natur, Beziehungen und körperliches Wohlbefinden sollen nicht mehr „nach der Arbeit“ stattfinden, sondern als Grundlage im Alltag Raum bekommen.

5. Weniger dauerhaften Informationsinput
Sie reduziert bewusst die permanente Aufnahme von Gesundheits- und Online-Informationen und möchte sich wieder stärker auf vertieftes, ruhigeres Lernen konzentrieren.

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Nicht mehr dort, noch nicht hier – Eine Phase der Neuorientierung