Nicht mehr dort, noch nicht hier – Eine Phase der Neuorientierung

 
 

Zwischen zwei Ländern

Seit drei Wochen regnet es.

Der Weg zu unserem Grundstück ist steil. Wenn der Boden durchweicht ist, komme ich mit meinem Auto nicht hoch. Und nicht runter. Ich stehe dann da und weiß: Heute bleibe ich hier.

Es ist ein seltsames Gefühl, äußerlich festzusitzen. Und zu merken, dass innen etwas Ähnliches passiert. Ich lebe gerade in Portugal. Auf dem Land. Eigentlich war es ein Neuanfang. Eine Vision. Gemeinsam etwas aufbauen, ein neues Kapitel, Weite, Sonne, Möglichkeiten.

Die Sonne scheint im Moment selten. Und die Vision hat nicht gehalten. Die Beziehung ist zerbrochen. Für mich war das intensiv. Roh.
Es ging nicht nur um uns.
Es ging um die Vision eines neuen Lebens, die ich in mir habe. Die Bewegung hat sichtbar gemacht, was ohnehin instabil war.

Jetzt sind wir in einem langsamen Loslösungsprozess. Wir nennen es Freundschaft. Und irgendwann wird es auch eine ausgeglichene Freundschaft sein. Aber jetzt ist es eine Trennung.

Und ich bin müde.

Nicht mehr dort. Noch nicht hier.

In Deutschland habe ich Freunde. Meine Mutter. Vertrautheit.

Aber ich habe keine Wohnung mehr. Kein eigenes Zimmer, in das ich einfach zurückkehren könnte. Kein Schlüsselbund, der „Zuhause“ bedeutet.

Hier in Portugal lebe ich. Aber angekommen fühle ich mich noch nicht. Es ist noch kein Ort, der mich trägt. Kein sicherer Boden.

Ich stehe irgendwo dazwischen.

Nicht mehr Deutschland.
Noch nicht wirklich Portugal.
Nicht mehr Beziehung.
Noch nicht neu verankert.

Dieses Dazwischen ist anstrengend. Es hat keinen festen Rahmen. Kein klares Bild. Manchmal denke ich: Wie bin ich hier gelandet? Und manchmal denke ich: Natürlich genau so.

Erschöpfung hat viele Gesichter

Es ist nicht nur körperliche Müdigkeit. Es ist das viele Organisieren. Das Auflösen meines Ateliers im letzten Jahr. Entscheidungen treffen und wieder zurücknehmen. Umzug. Papierkram. Abschiede. Es ist Trauer über eine Vorstellung, die nicht Realität geworden ist. Es ist das Nicht-Wissen, wie es konkret weitergeht.

Und es ist vielleicht auch diese Lebensphase, in der vieles sich neu sortiert. Beziehungen. Orte. Identität.

Ich merke: Erschöpfung fühlt sich nicht dramatisch an. Sie fühlt sich eher flach an. Wie eine dünne Schicht über allem.

Was ich trotzdem beibehalte

Ich schaffe gerade keine großen Würfe. Aber ich schaffe kleine Dinge.

Ich bewege mich. Nicht perfekt. Nicht lang. Manchmal nur zehn Minuten. Ein paar Squats, ein paar Liegestütze, ein bisschen Körpergewicht. Es geht nicht um Performance. Es geht darum, meinen Körper nicht zu verlieren.

Ich achte darauf, dass Essen kein Ventil wird. Ja, es gibt Chips. Ja, es gibt Schokolade. Aber es bleibt im Rahmen. Kein völliges Abrutschen.

Ich arbeite in Mikro-Schritten. Ein Absatz im E-Book. Eine Korrektur. Ein kleiner organisatorischer Schritt. Kein Masterplan, nur der nächste machbare Punkt.

Und wenn ich nichts weiß, dann weiß ich wenigstens das: Heute gehe ich einen Tag weiter.

Feststecken ist nicht Stillstand

Wenn ich den Berg nicht hochkomme, ärgere ich mich. Natürlich. Aber ich merke auch: Es zwingt mich zur Pause.

Vielleicht ist dieses Feststecken kein Fehler. Vielleicht ist es eine Phase, in der etwas sortiert wird, ohne dass ich es sofort erkenne.

Ich habe mir das alles anders vorgestellt. Klarer. Sicherer. Erfolgreicher. Glücklicher. Stattdessen sitze ich im Regen und weiß manchmal nicht, wo mein Platz ist.

Und trotzdem stehe ich morgens auf. Nicht, weil ich besonders stark bin. Sondern weil es keine Alternative gibt, die sich besser anfühlt.

Longevity im echten Leben

Ich schreibe auf diesem Blog viel über Gesundheit, Hormone, Muskelaufbau, Energie.

Aber langfristige Gesundheit ist mehr als Supplemente und Trainingspläne. Sie zeigt sich vielleicht genau hier: in einer Phase, in der sich das ganze Leben verschiebt.
Neues Land. Neues Umfeld. Neue Realität. Und trotzdem keine klare Richtung.

In der man nicht weiß, wohin es geht. In der man müde ist.

Und in der man sich trotzdem bewegt. Nicht aus Ehrgeiz, sondern um nicht stehenzubleiben.

Den Körper bewegen. Nicht aufgeben. Kleine Schritte geht, auch wenn sie unscheinbar sind.

Vielleicht ist genau das Stabilität.
Nicht die großen Pläne.
Sondern das leise Weitermachen, während sich außen alles neu sortiert.

Manchmal reicht das.


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