Östrogen und Schlaf in der Postmenopause
Warum Durchschlafen oft kein reines Progesteron-Thema ist
Schlaf ist in der Peri- und Postmenopause für viele Frauen ein Thema.
Nicht unbedingt, weil das Einschlafen schwerfällt – sondern weil der Schlaf immer wieder unterbrochen wird.
Man schläft. Aber man wacht auf.
Mehrmals pro Nacht. Ohne Grübeln, ohne Unruhe, ohne ersichtlichen Grund.
Einfach wach. Genau so erlebe ich es seit Jahren.
Ich bin in der Postmenopause und kenne dieses nächtliche Aufwachen gut: vier-, manchmal fünfmal pro Nacht. Kein Kopfkino, keine Angst – eher ein stilles Herausfallen aus dem Schlaf. Umdrehen, kurz lesen, wieder einschlafen. Und trotzdem fehlt am Morgen dieses Gefühl von wirklich durchgeschlafen.
Schlaf in der Postmenopause ist kein Randthema
Ich beschäftige mich seit Langem intensiv mit Hormonen und schreibe auf Blossom Up Your Life über Frauengesundheit, Longevity und hormonelle Veränderungen. Schlaf begegnet mir dabei immer wieder – nicht als einzelnes Symptom, sondern als Thema, das viele Ebenen berührt.
Gerade in der Postmenopause ist Schlaf selten ein isoliertes Problem. Häufig zeigen sich darin Veränderungen, die mit innerer Uhr, hormonellen Verschiebungen und biologischen Rhythmen zusammenhängen.
Wenn du dich grundlegend mit diesen Zusammenhängen beschäftigen möchtest – etwa mit Melatonin, Licht, Tagesrhythmus und altersbedingten Veränderungen des Schlafs – findest du dazu bereits einen ausführlichen Artikel auf meinem Blog:
👉 Warum wir ab 40 schlechter schlafenDieser Beitrag hier baut darauf auf und ergänzt diese Perspektive um eine konkrete Beobachtung aus meinem eigenen Alltag.
Progesteron hilft beim Einschlafen – aber was ist mit dem Durchschlafen?
In vielen Artikeln wird Schlaf in den Wechseljahren fast automatisch mit Progesteron erklärt.
Und ja, das hat seine Berechtigung: Progesteron wirkt beruhigend, entspannend und unterstützt das Einschlafen. Ich nehme abends 200 mg Progesteron – und damit komme ich gut in den Schlaf.
Was sich bei mir jedoch über Jahre kaum verändert hat, war das nächtliche Aufwachen.
Nicht einmal, sondern mehrfach. Ohne innere Unruhe, ohne Grübeln – eher so, als würde mein Körper den Schlaf immer wieder loslassen.
Während ich an meinem Mini Life Guide „Hormone verstehen“ gearbeitet habe – konkret am Kapitel über Östrogen – war da gleichzeitig dieses leise Gefühl, dass etwas nicht ganz zusammenpasst.
Ich bin in der Postmenopause, nehme abends 200 mg Progesteron – und gleichzeitig nur einen Hub Östrogen.
Das fühlte sich zunehmend nicht stimmig an.
Nicht als klarer Gedanke, sondern als Körperwahrnehmung: wahrscheinlich ist ein Hub zu wenig.
Bis dahin war für mich ziemlich gesetzt, dass Östrogen morgens genommen wird. Punkt.
Dass man es auch abends nehmen kann – und dass das in bestimmten Konstellationen sogar sinnvoll ist – hatte ich so nicht auf dem Schirm.
Als ich mich dann intensiver mit Östrogen beschäftigt habe, wurde mir klar, dass es beim Schlaf vielleicht gar nicht darum ging, noch mehr Progesteron zu brauchen – sondern Östrogen anders zu dosieren und anders zu timen.
Östrogen und Schlafarchitektur – warum es nicht nur ums Einschlafen geht
Wenn es um Schlaf geht, denken viele zuerst an das Einschlafen.
Doch genauso entscheidend ist die Frage, wie stabil der Schlaf bleibt – und genau hier kommt der Begriff Schlafarchitektur ins Spiel.
Damit ist gemeint, wie gut unser Körper durch die verschiedenen Schlafphasen navigiert: Tiefschlaf, REM-Schlaf, Übergänge.
Also nicht ob wir schlafen, sondern wie zusammenhängend.
Östrogen spielt dabei eine größere Rolle, als ich angenommen habe
Das Hormon wirkt nicht nur im Körper, sondern auch im Gehirn. Es kann die Blut-Hirn-Schranke passieren und bindet dort an spezielle Rezeptoren, unter anderem in Bereichen, die für Schlaf, Temperaturregulation und den Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig sind.
Konkret bedeutet das:
Östrogen unterstützt die Stabilität der Schlafphasen, beeinflusst die nächtliche Temperatursteuerung und wirkt auf Neurotransmitter, die dafür sorgen, dass wir nicht bei jedem kleinen Reiz aus dem Schlaf fallen.
Fehlt Östrogen nicht unbedingt vollständig, sondern ist ungünstig dosiert oder zeitlich schlecht eingebettet, kann genau das passieren:
Man schläft ein – aber der Schlaf bleibt brüchig.
Gerade in der Postmenopause zeigt sich das häufig nicht als klassisches Einschlafproblem, sondern als wiederholtes nächtliches Aufwachen. Der Körper findet keinen stabilen Rhythmus mehr, obwohl eigentlich „alles da“ ist.
In diesem Zusammenhang wurde für mich verständlich, warum es beim Schlaf nicht allein um Progesteron geht – sondern um das Zusammenspiel beider Hormone und darum, wann sie wirken.
Welche Rolle Östrogen beim Schlaf spielt
Ganz vereinfacht gesagt unterstützt Östrogen:
die Stabilität der Schlafphasen
die Temperaturregulation in der Nacht
das Zusammenspiel von Neurotransmittern wie Serotonin
indirekt auch den Melatonin-Rhythmus
Fehlt Östrogen oder ist es ungünstig eingebettet, kann der Schlaf zwar beginnen – aber nicht gehalten werden.
Eine kleine Veränderung mit großer Wirkung
Ich habe mein Östrogen lange morgens genommen – so, wie es häufig empfohlen wird.
Im Alltag wurde das für mich zunehmend unpraktisch. Auch ganz banal körperlich: Die Oberarme boten wenig Fläche, und irgendwann merkte ich, dass ich häufig nur noch einen Hub statt zwei genommen habe.
Als ich mich im Rahmen meiner Recherche mit dem Zusammenhang zwischen Östrogen und Schlaf beschäftigt habe und gelesen habe, dass Östrogen auch abends genommen werden kann, habe ich das noch am selben Abend umgesetzt.
zwei Hübe Östrogen
abends
auf die Oberschenkel (mehr Fläche)
eingebettet in meinen Abendablauf, vor dem Schlafengehen
Was sich dadurch verändert hat
Die Veränderung kam überraschend schnell.
Statt vier- oder fünfmal pro Nacht wache ich jetzt meist nur noch ein- bis zweimal auf.
Und auch wenn ich das erst seit etwa zwei Wochen so erlebe, fühlt sich der Schlaf für mich deutlich stabiler an. Manchmal drehe ich mich einfach um und schlafe weiter.
Manchmal brauche ich noch einen Moment.
Aber insgesamt ist der Schlaf weniger fragmentiert als zuvor.
Er ist nicht perfekt.
Aber er fühlt sich zusammenhängender an. Ruhiger. Stabiler. Und genau das macht für mich den Unterschied.
Eine persönliche Erfahrung
Dieser Text ist keine Anleitung und kein allgemeingültiger Weg.
Er beschreibt eine Erfahrung aus meinem eigenen Prozess – und einen Zusammenhang, der für mich spürbar geworden ist.
Was sich dabei gezeigt hat:
Schlaf in der Postmenopause lässt sich selten auf einen einzigen Faktor reduzieren. Einschlafen und Durchschlafen sind oft zwei unterschiedliche Themen.
Ich schreibe darüber, weil ich ehrlich gesagt überrascht war.
Ich wusste lange nicht, dass Östrogen in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen kann – und ich hätte nicht erwartet, dass sich durch eine kleine Veränderung so schnell etwas spürbar verbessert.
Genau das hat mich dazu gebracht, diesen Text zu schreiben.