Wechseljahre ohne HRT: Was kannst du wirklich tun?

Als ich damals mit meiner Hormonersatztherapie angefangen habe, wusste ich noch längst nicht so viel über Wechseljahre und Hormone wie heute. Ich habe einfach gemerkt, dass sie mir guttut – und heute, mit 61, bin ich sehr froh, dass ich mich damals dafür entschieden habe.

Natürlich weiß ich nicht, welchen Anteil die Hormone daran haben, dass ich mich körperlich stark und insgesamt gut fühle. Ich mache seit rund sechs Jahren Krafttraining, bewege mich viel und achte auf meine Ernährung. Das alles spielt zusammen.

Gleichzeitig habe ich Freundinnen, die sich ganz bewusst gegen eine Hormonersatztherapie entschieden haben – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Und diese Entscheidung respektiere ich genauso.

Genau deshalb wollte ich einmal genauer hinschauen:

Was kannst du eigentlich tun, wenn du keine Hormonersatztherapie nehmen möchtest – oder wenn du keine nehmen kannst?

Denn keine HRT bedeutet nicht, dass du Wechseljahresbeschwerden einfach hinnehmen musst. Und es bedeutet auch nicht, dass du nichts für Schlaf, Muskeln, Knochen, vaginale Gesundheit oder dein allgemeines Wohlbefinden tun kannst.

Es gibt pflanzliche Möglichkeiten. Es gibt Dinge, die wir über Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress beeinflussen können. Es gibt gezielte Hilfe bei einzelnen Beschwerden. Und es gibt auch medizinische Möglichkeiten, die ohne eine systemische Hormonersatztherapie auskommen.

Die entscheidende Frage ist deshalb vielleicht gar nicht:

Was ersetzt die HRT?

Sondern:

Was möchte ich eigentlich verändern – und was kann mir dabei helfen?

Kurz zusammengefasst: Es gibt nicht die eine Alternative zur Hormonersatztherapie. Welche Möglichkeiten infrage kommen, hängt stark davon ab, was eine Frau überhaupt belastet – Hitzewallungen, schlechter Schlaf, Brain Fog, vaginale Trockenheit, Stimmung oder Libido. Und unabhängig von einzelnen Beschwerden gibt es einiges, was wir für Muskeln, Knochen und unsere langfristige Gesundheit tun können.

Was dich in diesem Artikel erwartet

  1. Wechseljahre ohne Hormone: Warum es nicht die eine Alternative zur HRT gibt

  2. Hitzewallungen und Nachtschweiß ohne HRT: Was kann helfen?

  3. Pflanzliche Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden: Was ist einen Blick wert?

    • Soja und Isoflavone

    • Traubensilberkerze

    • Rotklee und Leinsamen

  4. Schlaf in den Wechseljahren: Nicht alles ist eine Hormonfrage

  5. Brain Fog und Konzentrationsprobleme: Was kannst du ohne HRT tun?

  6. Krafttraining: Warum Muskeln jetzt so wichtig sind

  7. Ernährung in den Wechseljahren: Was deinem Körper jetzt guttut

  8. Vaginale Trockenheit ohne HRT: Welche Möglichkeiten gibt es?

  9. Libido und Sexualität: Nicht nur eine Frage der Hormone

  10. Stress, Stimmung und Psyche: Wenn du dich plötzlich nicht mehr wie du selbst fühlst

  11. Knochen und langfristige Gesundheit: Was du selbst beeinflussen kannst

  12. Wenn all das nicht reicht: Nicht hormonelle Medikamente bei starken Beschwerden

  13. Wechseljahre ohne HRT: Was würde ich persönlich zuerst tun?

  14. Pflanzlich, natürlich oder medizinisch – für mich ist das nicht die entscheidende Frage

  15. Mein Fazit: Keine HRT bedeutet nicht, nichts tun zu können

1. Wechseljahre ohne Hormone: Es gibt nicht die eine Alternative zur HRT

Das ist wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis gleich zu Beginn.

Bei meiner Recherche bin ich auf die eine Alternative zur Hormonersatztherapie jedenfalls nicht gestoßen.

Und eigentlich ist das auch logisch.

Denn eine Frau sucht vielleicht nach einer Möglichkeit gegen Hitzewallungen. Eine andere kann kaum noch schlafen. Eine dritte hat Schmerzen beim Sex oder massive vaginale Trockenheit. Eine andere leidet vor allem unter Brain Fog, innerer Unruhe oder Stimmungsschwankungen.

Und wieder eine andere hat vielleicht kaum akute Beschwerden und beschäftigt sich vor allem mit der Frage, was sie langfristig für ihre Knochen, Muskeln und Gesundheit tun kann.

Deshalb finde ich die Frage „Was kann ich statt HRT nehmen?“ inzwischen fast zu klein.

Viel hilfreicher erscheint mir:

Was belastet mich eigentlich – und welche Möglichkeiten gibt es genau dafür?

Denn je nachdem kann die Antwort eine vollkommen andere sein.

2. Hitzewallungen und Nachtschweiß

Hitzewallungen gehören wahrscheinlich zu den bekanntesten Wechseljahresbeschwerden. Manche Frauen haben kaum welche, andere werden davon regelrecht überrollt.

Und wenn dann nachts noch Schweißausbrüche dazukommen, kann natürlich auch der Schlaf erheblich darunter leiden.

In Empfehlungen zu Hitzewallungen tauchen immer wieder relativ einfache Maßnahmen auf: ein kühleres Schlafzimmer, leichtere Kleidung oder mehrere dünne Schichten und die Beobachtung möglicher persönlicher Trigger.

Alkohol kann bei manchen Frauen dazugehören, ebenso Koffein oder scharfes Essen.

Dabei finde ich einen Punkt wichtig: Das bedeutet natürlich nicht, dass eine Frau ihre Hitzewallungen selbst verursacht, weil sie morgens Kaffee trinkt.

Der hormonelle Hintergrund verschwindet nicht, weil man den Espresso weglässt.

Es geht vielmehr darum herauszufinden, ob es Dinge gibt, die die eigenen Beschwerden zusätzlich verstärken.

Kann man lernen, besser mit Hitzewallungen umzugehen?

Auch kognitive Verhaltenstherapie wird als nicht hormonelle Möglichkeit bei Hitzewallungen und Nachtschweiß empfohlen.

Dabei finde ich eine Unterscheidung wichtig: Sie verändert natürlich nicht den hormonellen Hintergrund der Beschwerden. Sie kann aber dabei helfen, mit Hitzewallungen und Nachtschweiß anders umzugehen und sich von ihnen weniger stark beeinträchtigt zu fühlen.

Ich selbst habe eine Zeit lang Verhaltenstherapie gemacht – allerdings aus ganz anderen Gründen und nicht wegen meiner Wechseljahre. Bei mir hat dieser therapeutische Ansatz damals einfach nicht viel verändert. Erst später, als ich körpertherapeutisch an meine Themen herangegangen bin, hat sich für mich wirklich etwas bewegt.

Das ist meine persönliche Erfahrung und sagt natürlich nichts darüber aus, ob Verhaltenstherapie einer anderen Frau helfen kann. Deshalb gehört sie als eine der möglichen nicht hormonellen Maßnahmen trotzdem hierher.

Und wenn Hitzewallungen wirklich massiv sind, gibt es inzwischen auch nicht hormonelle Medikamente. Dazu kommen wir später noch.

3. Pflanzliche Mittel bei Wechseljahresbeschwerden

Natürlich wollte ich mir für diesen Artikel auch pflanzliche Möglichkeiten anschauen.

Denn vermutlich ist eine der ersten Fragen vieler Frauen:

Kann ich nicht erst einmal etwas Pflanzliches ausprobieren?

Kann man sich auf jeden Fall anschauen.

Nur wird es bei der Recherche schnell weniger eindeutig, als manche Werbung für Menopause-Produkte vermuten lässt.

„Pflanzlich“ bedeutet eben nicht automatisch, dass eine Wirkung gut belegt ist. Und auch pflanzliche Wirkstoffe können Nebenwirkungen haben oder sich mit Medikamenten nicht vertragen.

Soja und Isoflavone

Soja gehört zu den Lebensmitteln, die in diesem Zusammenhang besonders häufig untersucht wurden.

Sojabohnen enthalten Isoflavone. Das sind Pflanzenstoffe, die aufgrund ihrer östrogenähnlichen Wirkung auch als Phytoöstrogene bezeichnet werden.

Deshalb wird schon lange untersucht, ob Soja beziehungsweise Soja-Isoflavone Beschwerden wie Hitzewallungen lindern können.

Die Ergebnisse sind nicht ganz einheitlich. Untersuchungen deuten darauf hin, dass Isoflavone bei manchen Frauen Hitzewallungen etwas reduzieren können. Der Effekt scheint allerdings eher moderat zu sein.

Für mich ist das eine ziemlich hilfreiche Einordnung:

Soja ist weder das große Wechseljahres-Wundermittel noch völliger Unsinn.

Und natürlich muss Soja nicht als spezielles Menopause-Präparat daherkommen.

Tofu, Tempeh, Edamame oder Sojajoghurt lassen sich ganz normal in die Ernährung integrieren – und liefern gleichzeitig pflanzliches Protein.

Traubensilberkerze

Traubensilberkerze, auch Black Cohosh genannt, gehört wahrscheinlich zu den bekanntesten pflanzlichen Mitteln gegen Wechseljahresbeschwerden.

Vor allem bei Hitzewallungen wird sie häufig eingesetzt.

Bei meiner Recherche dazu bin ich allerdings auf eine ziemlich uneinheitliche Studienlage gestoßen. Manche Untersuchungen finden Verbesserungen, andere keinen überzeugenden Nutzen. Auch größere Auswertungen kommen nicht alle zum selben Ergebnis.

Das heißt nicht, dass Traubensilberkerze einer einzelnen Frau nicht helfen kann.

Es heißt zunächst einmal nur: Die Studienlage ist nicht eindeutig.

Und auch bei pflanzlichen Präparaten lohnt sich ein Blick auf mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen. Bei Traubensilberkerzen-Präparaten wurden beispielsweise selten Leberprobleme gemeldet, wobei nicht eindeutig geklärt ist, ob tatsächlich die Pflanze selbst die Ursache war.

Wer ein solches Präparat ausprobieren möchte und Medikamente nimmt oder Vorerkrankungen hat, kann deshalb auch das mit Ärztin, Arzt oder Apotheke besprechen.

Rotklee und Leinsamen

Auch Rotklee enthält Isoflavone und wird häufig als natürliche Hilfe gegen Wechseljahresbeschwerden angeboten.

Auch hier sind die Studienergebnisse nicht eindeutig.

Ähnlich interessant fand ich die Recherche zu Leinsamen.

Leinsamen liefern unter anderem Ballaststoffe und lassen sich wunderbar in eine gesunde Ernährung integrieren. Als gezielte Behandlung gegen Hitzewallungen ist ihre Wirkung bislang allerdings nicht überzeugend belegt.

Und genau diese Unterscheidung finde ich bei all diesen Lebensmitteln und Pflanzen wichtig:

Etwas kann gesund und sinnvoll sein, ohne deshalb automatisch eine wirksame Behandlung gegen Wechseljahresbeschwerden zu sein.

4. Schlaf in den Wechseljahren: Nicht alles ist eine Hormonfrage

Schlaf ist ein riesiges Thema.

Manchmal ist die Ursache ziemlich offensichtlich.

Wer nachts immer wieder schweißgebadet aufwacht, schläft natürlich schlecht.

Aber Schlafprobleme können in dieser Lebensphase auch andere Ursachen haben. Und manchmal entwickelt sich aus einigen schlechten Nächten irgendwann ein richtig festgefahrenes Schlafproblem.

Deshalb finde ich es sinnvoll, Schlaf auch als eigenes Thema zu betrachten.

Ein möglichst regelmäßiger Schlafrhythmus, morgens Tageslicht, Bewegung während des Tages, ein eher kühles Schlafzimmer und ein kritischer Blick auf Alkohol und Koffein gehören zu den Dingen, die in Empfehlungen zu besserem Schlaf immer wieder auftauchen.

Vor allem Alkohol finde ich dabei interessant. Er kann zwar zunächst müde machen, aber die Schlafqualität später in der Nacht verschlechtern.

Bei länger anhaltender Schlaflosigkeit wird außerdem eine speziell auf Schlafprobleme ausgerichtete Form der kognitiven Verhaltenstherapie eingesetzt.

Auch hier gilt für mich meine persönliche Einschränkung von oben: Verhaltenstherapie war für meine eigenen Themen nicht der Ansatz, der bei mir viel verändert hat. Andere Menschen machen damit ganz andere Erfahrungen.

Entscheidend finde ich vor allem:

Schlechter Schlaf muss nicht einfach unter „Das sind eben die Wechseljahre“ abgeheftet werden.

Wenn er dauerhaft die Lebensqualität beeinträchtigt, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, was dahintersteckt und welche Hilfe infrage kommt.

5. Brain Fog und Konzentrationsprobleme

Brain Fog ist eines dieser Wörter, die inzwischen überall auftauchen.

Aber wer ihn erlebt, weiß ziemlich genau, was damit gemeint ist.

Das Wort liegt auf der Zunge und kommt nicht. Man geht in einen Raum und hat vergessen, warum. Gedanken reißen ab. Die Konzentration hält nicht mehr so lange wie früher.

Gerade wenn eine Frau beruflich stark gefordert ist, kann das ziemlich verunsichern.

Hormonelle Veränderungen werden als ein möglicher Faktor diskutiert. Gleichzeitig können Konzentrationsprobleme natürlich noch viele andere Gründe haben.

Schlechter Schlaf allein kann einen enormen Unterschied machen. Dazu kommen beispielsweise Stress, psychische Belastung, Medikamente oder andere gesundheitliche Ursachen.

Deshalb finde ich gerade beim Brain Fog die Suche nach dem nächsten vermeintlichen Wundermittel wenig überzeugend.

Ich persönlich würde zunächst auf die Grundlagen schauen: Wie schlafe ich? Bewege ich mich regelmäßig? Bin ich seit Monaten im Dauerstress? Esse ich ausreichend und ausgewogen? Gibt es vielleicht einen anderen Grund dafür, dass ich ständig erschöpft bin?

Und wenn Gedächtnis- oder Konzentrationsprobleme neu auftreten, sehr stark sind oder zunehmen, würde ich sie persönlich medizinisch abklären lassen, anstatt automatisch davon auszugehen: Das sind eben meine Wechseljahre.

6.Krafttraining in den Wechseljahren: Muskeln erhalten und stärken

Hier schlägt natürlich mein persönliches Herz.

Ich mache seit rund sechs Jahren Krafttraining und bin heute mehr denn je davon überzeugt, wie wichtig Muskeln gerade für uns Frauen mit zunehmendem Alter sind.

Und dabei geht es um sehr viel mehr als darum, wie ein Arm oder ein Po aussieht.

Muskelkraft hilft uns im Alltag, trägt zu Stabilität und Beweglichkeit bei und spielt auch für Stoffwechsel und Knochengesundheit eine Rolle.

Krafttraining und andere belastende Bewegungsformen setzen außerdem wichtige Reize für unsere Knochen.

Was mir dabei aber wichtig ist:

Krafttraining ersetzt kein Östrogen.

Wir können den hormonellen Wandel nicht wegtrainieren.

Aber wir können unserem Körper Trainingsreize geben, damit er möglichst viel Muskelkraft und Funktion erhält. Und genau deshalb ist Krafttraining für mich eine der wichtigsten Stellschrauben, die wir selbst in der Hand haben.

Und das gilt übrigens genauso für Frauen, die HRT nehmen.

Wenn dich Krafttraining in und nach den Wechseljahren genauer interessiert, findest du bei mir dazu mehrere ausführliche Artikel – unter anderem

„Long Live Your Legs – Deine Muskeln sind deine beste Altersvorsorge“,

„Forever Booty – Warum Kraft im Po jung, fit & aufrecht hält“,

„So schützt du deine Muskeln in den Wechseljahren – was jetzt wirklich entscheidend ist“

und meinen Artikel über

Dr. Stacy Sims und Training für Frauen ab 40.

7. Ernährung in den Wechseljahren: Was deinem Körper jetzt guttut

Ich weiß, wie verlockend die Vorstellung ist, dass es das eine Lebensmittel für die Wechseljahre gibt.

Bei meiner Beschäftigung mit Ernährung und Frauengesundheit lande ich allerdings immer wieder bei ziemlich unspektakulären Grundlagen.

Viel Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen, gute Fettquellen – und ausreichend Protein.

Protein ist gerade in Verbindung mit Krafttraining ein Thema, das mich besonders interessiert.

Denn wenn wir unsere Muskeln trainieren, braucht unser Körper auch die entsprechenden Bausteine, um Muskelgewebe zu erhalten und aufzubauen.

Für die Knochengesundheit spielen außerdem Kalzium und Vitamin D eine wichtige Rolle.

Und dann wären da noch all die vermeintlichen Menopause-Superfoods und Supplements.

Ich persönlich würde mich davon nicht verrückt machen lassen.

Eine gute Ernährung muss nicht perfekt sein. Und sie muss vor allem nicht aus zwanzig verschiedenen Pulvern bestehen.

8. Was hilft gegen vaginale Trockenheit in den Wechseljahren?

Dieser Punkt liegt mir persönlich besonders am Herzen.

Trockene Vaginalschleimhäute waren eines der Symptome, die mich irgendwann wirklich belastet haben. Bei mir wurde die Trockenheit schließlich so stark, dass kleine Mikrorisse entstanden.

Und gerade bei diesem Thema bin ich bei meiner Recherche immer wieder über eine wichtige Unterscheidung gestolpert:

Keine systemische HRT bedeutet nicht automatisch: überhaupt keine Hormone.

Vaginales Östrogen wird lokal angewendet – beispielsweise als Creme, Vaginaltablette oder Ring – und unterscheidet sich von einer systemischen Hormonersatztherapie mit Gel, Pflaster oder Tabletten.

Das kann beispielsweise für Frauen interessant sein, die keine systemische HRT möchten. Ob eine lokale Hormonbehandlung im individuellen Fall infrage kommt, ist natürlich eine medizinische Frage – besonders bei bestimmten Vorerkrankungen.

Und was ist, wenn eine Frau überhaupt keine Hormone verwenden möchte?

Dann gibt es auch nicht hormonelle Möglichkeiten.

Feuchtigkeitspflege ist nicht dasselbe wie Gleitgel

Das wird leicht durcheinandergeworfen.

Vaginale Feuchtigkeitsprodukte sind für die regelmäßige Anwendung gedacht und können bei Trockenheit helfen.

Gleitmittel erfüllen eine andere Aufgabe: Sie sollen vor allem beim Sex die Reibung reduzieren.

Beides kann also sinnvoll sein – nur für unterschiedliche Situationen.

Und aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen: Ich würde bei diesem Thema heute viel früher hinschauen.

Brennen, Schmerzen beim Sex, kleine Verletzungen oder Probleme beim Wasserlassen sind Beschwerden, für die es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten gibt. Man muss sie nicht einfach als normalen Bestandteil des Älterwerdens hinnehmen.

Zu vaginaler Trockenheit und Intimpflege findest du bei mir mehrere ausführliche Artikel, in denen ich auf dieses Thema wesentlich tiefer eingehe.

  • „Was gegen vaginale Trockenheit hilft – jenseits von Tabus“

  • „Gleitmittel & Co – warum die Vagina trocken wird und was hilft“

  • „Wenn nichts mehr wie früher ist: Meine Intimpflege-Routine ab 40“

  • „Dein DIY-Rezept für eine sanfte Intimpflege mit Rizinusöl & Squalan“

9. Libido in den Wechseljahren: Wenn sich die Lust verändert

Auch die Lust kann sich in und nach den Wechseljahren verändern.

Und ausgerechnet bei Sexualität finde ich einfache Erklärungen besonders schwierig.

Denn Libido hängt nicht nur an einem Hormonwert.

Schlechter Schlaf, Stress, Erschöpfung, Medikamente, die Beziehung, das eigene Körpergefühl, vaginale Trockenheit und Schmerzen beim Sex können eine Rolle spielen. Und natürlich können auch hormonelle Veränderungen beteiligt sein.

Deshalb finde ich eine andere Frage viel interessanter als einfach nur: „Wie bekomme ich meine Libido zurück?“

Nämlich:

Was hat sich eigentlich verändert?

Habe ich grundsätzlich weniger Lust? Oder habe ich keine Lust auf Sex, weil er inzwischen unangenehm ist? Bin ich erschöpft? Fühle ich mich in meinem Körper nicht wohl? Oder gibt es in meiner Beziehung etwas, das meine Lust beeinflusst?

Gerade wenn Trockenheit oder Schmerzen beim Sex eine Rolle spielen, würde ich persönlich dort zuerst hinschauen.

Denn Lust hat es ziemlich schwer, wenn der Körper Sex inzwischen mit Schmerzen verbindet.

10. Stress, Stimmung und Psyche: Wenn du dich plötzlich nicht mehr wie du selbst fühlst

Ich finde, dieser Bereich wird manchmal entweder komplett den Hormonen zugeschrieben – oder die Hormone werden vollkommen ausgeblendet.

Beides erscheint mir zu einfach.

In der Lebensmitte kann unglaublich viel gleichzeitig passieren. Der Körper verändert sich. Eltern werden älter. Beziehungen verändern sich. Kinder gehen vielleicht aus dem Haus. Im Beruf passiert viel. Und parallel dazu verändert sich die hormonelle Situation.

Bewegung, Zeit draußen, soziale Kontakte, Entspannung, Yoga, Meditation oder Achtsamkeit können Möglichkeiten sein, das eigene Wohlbefinden und Nervensystem zu unterstützen.

Aber ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich nicht sagen: „Dann entspann dich eben ein bisschen.“

Wenn Angst, depressive Verstimmungen, innere Unruhe oder andere psychische Beschwerden die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann auch psychotherapeutische Unterstützung eine Möglichkeit sein.

Und welche Form von Therapie zu einer Frau passt, ist wiederum sehr individuell.

Das ist vielleicht einer der Punkte, die mir persönlich besonders wichtig geworden sind:

Unser Nervensystem, unser Körper, unsere Hormone und unser Leben existieren nicht getrennt voneinander.

11. Knochengesundheit nach der Menopause Was können wir selbst beeinflussen?

Bei diesem Thema verändert sich für mich die Perspektive ein bisschen.

Denn selbst wenn Hitzewallungen und andere akute Beschwerden irgendwann verschwinden, lohnt es sich, die langfristige Gesundheit im Blick zu behalten.

Gerade die Knochengesundheit wird nach der Menopause wichtiger, weil der sinkende Östrogenspiegel den Knochenstoffwechsel beeinflusst.

Bei meiner Recherche stoße ich hier immer wieder auf dieselben grundlegenden Faktoren: Krafttraining und andere belastende Bewegung, eine ausreichende Versorgung mit Protein, Kalzium und Vitamin D, nicht zu rauchen und Alkohol eher moderat zu konsumieren.

Je nach Alter und persönlichem Risiko kann außerdem eine Knochendichtemessung ein Thema sein, das man mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen kann.

Für mich ist dieser Blick wichtig.

Denn Menopause-Gesundheit bedeutet nicht nur: Wie werde ich meine Hitzewallungen los?

Sondern auch: Wie möchte ich mit 70, 75 oder 80 leben?

Kann ich noch problemlos vom Boden aufstehen? Meine Einkäufe tragen? Tanzen? Reisen? Mein Leben möglichst selbstständig führen?

Das ist für mich mindestens genauso wichtig.

12. Nicht hormonelle Medikamente gegen Wechseljahresbeschwerden

Bei meiner Recherche für diesen Artikel fand ich noch etwas wichtig:

Zwischen Hormonersatztherapie und rein pflanzlichen oder lebensstilbezogenen Maßnahmen gibt es noch eine weitere Ebene.

Es gibt verschreibungspflichtige Medikamente ohne Östrogen oder Progesteron, die bei bestimmten Wechseljahresbeschwerden eingesetzt werden.

Vor allem für starke Hitzewallungen und Nachtschweiß gibt es verschiedene nicht hormonelle medikamentöse Möglichkeiten.

Einige Wirkstoffe wurden ursprünglich für andere Erkrankungen entwickelt und werden auch gegen vasomotorische Beschwerden eingesetzt. Daneben gibt es inzwischen neuere Wirkstoffe, die gezielt an Mechanismen der Temperaturregulation im Gehirn ansetzen.

Ich möchte hier bewusst keinen Medikamentenkatalog aufmachen.

Nicht, weil diese Möglichkeiten unwichtig wären, sondern weil ich an dieser Stelle eben keine individuelle medizinische Empfehlung geben kann und möchte.

Was ich aber aus meiner Recherche mitnehme, ist:

Zwischen „Hormone nehmen“ und „damit leben“ gibt es noch etwas dazwischen.

Wenn Beschwerden die Lebensqualität massiv beeinträchtigen und eine Frau keine HRT nehmen möchte oder kann, kann sie diese Möglichkeiten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen.

13. Wo fange ich an, wenn ich keine HRT nehmen möchte?

Wenn ich all diese Möglichkeiten auf eine alltagstaugliche Strategie herunterbrechen müsste, würde ich vor allem eines nicht tun:

Alles gleichzeitig.

Ich würde mich zunächst fragen: Was belastet mich am meisten?

Sind es Hitzewallungen? Dann würde ich mir genau die Möglichkeiten gegen Hitzewallungen anschauen.

Ist es der Schlaf? Dann bekommt der Schlaf Priorität.

Sind es vaginale Beschwerden? Dann würde ich genau dort ansetzen – und nicht darauf hoffen, dass mehr Brokkoli das Problem löst.

Ist es Brain Fog? Dann würde ich mir Schlaf, Stress, Bewegung und mögliche andere Ursachen genauer anschauen.

Und unabhängig von einzelnen Beschwerden würde ich meine langfristige Basis stärken: Krafttraining, Bewegung, ausreichend Protein, eine gute Ernährung, Schlaf und Knochengesundheit.

Nicht, weil diese Dinge Hormone ersetzen.

Sondern weil das Bereiche sind, auf die wir selbst Einfluss nehmen können.

14. Pflanzlich, natürlich oder medizinisch – für mich ist das nicht die entscheidende Frage

Je länger ich mich mit Frauengesundheit beschäftige, desto weniger gefällt mir diese Gegenüberstellung.

Auf der einen Seite die „bösen Hormone“.

Auf der anderen Seite die vermeintlich sanfte Natur.

So einfach ist es nicht.

Auch eine Pflanze enthält Wirkstoffe. Auch pflanzliche Präparate können Nebenwirkungen haben oder sich mit Medikamenten nicht vertragen.

Und gleichzeitig kann ein pflanzliches Mittel für eine Frau durchaus einen Versuch wert sein, auch wenn die Studienlage dazu nicht eindeutig ist.

Für mich ist deshalb die interessantere Frage:

Was möchte ich eigentlich behandeln – und was wissen wir darüber, welche Möglichkeiten es dafür gibt?

Und dann kann jede Frau für sich – und bei medizinischen Fragen gemeinsam mit entsprechend qualifizierten Fachleuten – entscheiden, welcher Weg für sie passt.

Mein Fazit: Keine HRT bedeutet nicht, nichts tun zu können

Ich persönlich würde meine Hormonersatztherapie heute nicht missen wollen.

Aber gerade deshalb fand ich es interessant, für diesen Artikel einmal ganz bewusst auf die andere Seite zu schauen.

Was gibt es eigentlich, wenn eine Frau keine HRT möchte?

Oder wenn sie keine nehmen kann?

Und meine wichtigste Erkenntnis aus dieser Recherche ist eigentlich eine ziemlich einfache:

Keine HRT bedeutet nicht: keine Möglichkeiten.

Vielleicht hilft bei einem bestimmten Symptom schon eine relativ kleine Veränderung. Vielleicht möchte eine Frau etwas Pflanzliches ausprobieren. Vielleicht geht es vor allem um den Schlaf. Vielleicht um vaginale Beschwerden. Vielleicht braucht es medizinische Unterstützung.

Und unabhängig davon gibt es einiges, was wir für unsere Muskeln, unsere Knochen und unsere langfristige Gesundheit tun können.

Vielleicht müssen wir deshalb gar nicht nach der einen Alternative zur Hormonersatztherapie suchen.

Vielleicht ist die bessere Frage:

Was braucht mein Körper gerade – und welche Möglichkeit passt zu mir?

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Gerade bei starken oder neu auftretenden Beschwerden sowie bei Medikamenten, pflanzlichen Präparaten oder bestehenden Erkrankungen solltest du mögliche Behandlungen mit entsprechend qualifizierten medizinischen Fachleuten besprechen.

 
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