Krafttraining zu Hause: Woran du merkst, dass du wirklich stärker wirst

 
 

Inhalt:

  • Was in den ersten Wochen wirklich passiert

  • Die Waage misst etwas anderes

  • Drei Zeichen, an denen du es wirklich siehst

  • Steigern in fester Reihenfolge, nicht nach Gefühl

  • Eine Woche, die auch in ein unplanbares Leben passt

  • Aufschreiben, weil das Gedächtnis schmeichelt

Ich trainiere schon lange allein zu Hause. Ich mache meine Übungen regelmäßig und versuche, mich auch zu steigern. Aber trotzdem merke ich immer wieder: Eigentlich weiß ich gar nicht so genau, ob ich wirklich stärker werde. Entwickle ich mich weiter? Trete ich auf der Stelle? Oder baue ich vielleicht sogar gerade wieder ab, ohne es zu merken?

Gerade wenn man alleine trainiert und niemand von außen den Trainingsfortschritt im Blick hat, verliert man darüber erstaunlich leicht den Überblick.

Aber woran merke ich eigentlich, dass ich wirklich stärker werde? Wie kann ich mein Training so strukturieren, dass ich Fortschritte nicht nur vermute, sondern tatsächlich erkennen kann? Und wie steigere ich mich sinnvoll und sicher über die Wochen?

Genau darum geht es in diesem Gastbeitrag von huuman. Ich wollte es genauer wissen und habe diese Fragen an huuman weitergegeben. Hier sind die Antworten, sortiert nach meinen drei Fragen.

Was in den ersten Wochen wirklich passiert

Die Kraft eines Muskels steigt schon nach wenigen Trainingseinheiten. Das bildest du dir nicht ein. Nur passiert es in den ersten Wochen vor allem in der Ansteuerung: Das Nervensystem lernt, die Muskelfasern früher und schneller anzusprechen. Das lässt sich schon nach vier Wochen Training messen.

Das bedeutet: Wenn du nach vier oder sechs Wochen im Spiegel nichts siehst, hast du trotzdem gewonnen. Der Muskelaufbau kommt später dazu. Und in den Wechseljahren braucht er ohnehin mehr Geduld, wie ich in meinem Beitrag zum Muskelerhalt in den Wechseljahren beschrieben habe: Die Regeneration dauert länger, der Körper braucht klarere Signale.

Woran du diese erste Phase erkennst: Die Bewegung wird ruhiger. Die Hantel bleibt auf ihrer Bahn, die Kniebeuge zittert weniger, und du musst nicht mehr über jede Wiederholung nachdenken.

Das ist Kraft. Auch wenn das Gewicht noch dasselbe ist.

Die Waage misst etwas anderes

Viele stellen sich nach ein paar Wochen Training als Erstes auf die Waage. Und sind enttäuscht.

Krafttraining formt den Körper, nur zeigt die Waage das so meist nicht. Über 50 Studien zusammengenommen senkte Krafttraining den Körperfettanteil im Schnitt um etwa eineinhalb Prozentpunkte und die Fettmasse um rund ein halbes Kilo. Gleichzeitig baust du Muskulatur auf, und zwar vor und nach der Menopause gleichermaßen, wie eine Übersichtsarbeit mit 126 Studien und rund 4000 Frauen zeigt.

Dein Gewicht kann gleich bleiben, während sich darunter die Verteilung ändert. Die Waage ist kein Kraftmesser.

Drei Zeichen, an denen du es wirklich siehst

Wenn weder Spiegel noch Waage es zeigen: Was dann? Drei Zeichen, die du zu Hause ohne Gerät bemerkst:

  • Mehr saubere Wiederholungen mit demselben Gewicht. Wenn du mit deinen Hanteln vor vier Wochen acht Wiederholungen geschafft hast und heute zwölf, bist du stärker geworden. Bei 43 trainierten Personen waren über acht Wochen beide Wege brauchbar, mit einem Unterschied von fraglicher praktischer Bedeutung: die Wiederholungen zu steigern oder das Gewicht zu erhöhen.

  • Dasselbe Gewicht fühlt sich leichter an. Am Ende des Satzes wären noch zwei, drei Wiederholungen drin gewesen, wo vorher Schluss war. Diese Reserve taugt als Maßstab. Und sie gibt dir Spielraum: Für den Kraftzuwachs musst du nicht jeden Satz bis zur letzten möglichen Wiederholung treiben. Studien zeigen ähnliche Kraftzuwächse, egal ob die Sätze mit viel oder wenig Reserve endeten, während der Muskel für sein Wachstum die Sätze näher am Muskelversagen mag.

  • Der Alltag. Die Einkaufstüten, die du in einem Rutsch nach oben trägst. Der Kasten Wasser. Vom Boden hochkommen, ohne abzustützen. Forscherinnen und Forscher messen dafür die Griffkraft, weil sie erstaunlich gut die Gesamtkraft des Körpers abbildet. In einer Untersuchung mit fast 140.000 Menschen in 17 Ländern hing die Griffkraft enger mit dem Sterberisiko zusammen als der Blutdruck. Zu Hause heißt das schlicht: Wie lange kannst du zwei Hanteln tragen, und wie schwer dürfen sie sein?

Wenn du wissen willst, wo du mit deinen Hanteln stehst: Aus einem Satz mit zwei bis zwölf sauberen Wiederholungen lässt sich schätzen, wie viel du für eine einzige schaffen würdest. Das übernehmen die Rechner von huuman für Maximalkraft, Körperfett und Eiweißbedarf, und diese eine Zahl lässt sich alle paar Wochen vergleichen.

Steigern in fester Reihenfolge, nicht nach Gefühl

Meine Hanteln zu Hause gehen bis 7,5 Kilo. Wenn eine Übung zu leicht wird, verändere ich sie: einbeinig, langsamer, als Kombination. Das funktioniert. Aber es funktioniert besser mit einer Reihenfolge, statt jedes Mal neu zu entscheiden, was jetzt dran ist.

  1. Erst die Wiederholungen. Bleib beim Gewicht, bis du am oberen Rand deines Wiederholungsbereichs sauber ankommst, zum Beispiel bei zwölf statt acht.

  2. Dann die Ausführung. Langsamer ablassen, einseitig trainieren, zwei Übungen koppeln, eine Hantel pro Hand ein paar Schritte tragen. Die Varianten habe ich in meinem Beitrag zum Training ab 40 beschrieben. So fühlt sich dieselbe Hantel schwerer an, ohne eine neue zu kaufen.

  3. Dann das Gewicht. Wird selbst die schwere Variante wieder leicht, ist die nächste Hantel fällig. Für den Muskel selbst ist das nicht zwingend: In 21 Studien wuchsen Muskeln mit leichten und schweren Gewichten gleich gut, solange der Satz bis zur letzten sauberen Wiederholung ging. Die Maximalkraft dagegen wuchs mit schweren Gewichten deutlicher. Darum kommt die schwerere Hantel irgendwann dazu. Nicht sofort. Aber irgendwann.

Mir fehlte lange die Sicherheit: Wie schwer darf es werden, ohne meine Technik zu gefährden? Dafür gibt es drei klare Zeichen. Die Technik trägt, wenn:

  • die letzte Wiederholung langsamer wird, die Bewegung aber gleich bleibt, ohne Hohlkreuz, ohne hochgezogene Schultern,

  • die Anstrengung im Muskel sitzt, nicht im Gelenk,

  • du am Schluss noch eine Wiederholung mehr geschafft hättest.

Fehlt etwas davon, bleibst du eine Stufe länger, wo du bist. Das gehört zur Reihenfolge.

Eine Woche, die auch in ein unplanbares Leben passt

Ich trainiere fast täglich, aber nicht jeden Tag gleich fordernd. Für die Kraft zählen dabei die zwei bis drei fordernden Einheiten in der Woche. Die ruhigen Tage dazwischen sind Pausen, in denen dein Körper das Signal verarbeitet.

Zwei Zahlen nehmen Druck heraus. In derselben Übersichtsarbeit hing der Kraftzuwachs der Frauen nicht davon ab, wie oft pro Woche sie trainierten. Und bei älteren Menschen, die zu Hause trainierten, verbesserten schon Einheiten bis 30 Minuten die Kraft messbar, über 17 Studien mit fast 1500 Teilnehmenden.

Ein kurzes Training in einer vollen Woche ist eben ein Reiz, kein Versagen. An manchen Tagen sind es bei mir nur zehn Minuten, ein paar Kniebeugen, ein paar Liegestütze. Konstanz schlägt Perfektion, das gilt hier buchstäblich.

Und die Zahl, die vielleicht am meisten ermutigt: In derselben Auswertung war der Kraftzuwachs bei Frauen nach der Menopause genauso groß wie davor. Kein Unterschied zwischen den Gruppen.

Aufschreiben, weil das Gedächtnis schmeichelt

 

Der letzte Baustein ist unspektakulär.

Ein Heft, drei Spalten: Übung, Gewicht, Wiederholungen. Pro Einheit eine Zeile. Das reicht.

Eigentlich ist es erstaunlich simpel. Und trotzdem habe ich genau das bisher nicht gemacht. Ich trainiere seit Jahren zu Hause, aber Gewicht und Wiederholungen regelmäßig festzuhalten, gehörte nie dazu. Wenn ich ehrlich bin, war ich dafür wahrscheinlich auch ein bisschen zu bequem.

Das werde ich ändern. Ich glaube, dass mich das Aufschreiben in meinem Training weiterbringen wird. Endlich kann ich nach ein paar Wochen tatsächlich sehen, ob sich etwas verändert hat.

Ohne diese Zeile verlässt du dich auf dein Gefühl, und es merkt sich den guten Tag vor drei Wochen, nicht die acht Wiederholungen, die damals drin waren. Mit der Zeile siehst du nach sechs Wochen, was passiert ist. Und du siehst auch die Wochen, in denen es still blieb. Die gehören dazu: mal eine Reise, mal wenig Schlaf, mal eine Woche, in der der Alltag alles andere verschluckt.

Kraft wächst nicht gleichmäßig. Sie kommt in Stufen: Auf jeder Stufe steht man eine Weile.

In Long Live Your Legs habe ich schon über mein eigenes Training zu Hause geschrieben. Im Moment stehen mir nur Hanteln bis 7,5 Kilo zur Verfügung. Mehr Gewicht ist für mich deshalb nicht immer eine Möglichkeit. Umso interessanter ist für mich die Frage, woran ich Fortschritt noch erkennen kann: an mehr Wiederholungen, daran, dass sich dasselbe Gewicht leichter anfühlt, oder daran, dass ich eine Übung sauberer und kontrollierter ausführen kann.

Und damit bin ich wieder bei meiner Frage vom Anfang: Werde ich wirklich stärker?

Bisher wusste ich es oft einfach nicht.

Ich werde es aufschreiben.

Weiter
Weiter

Die 6 Menopause-Typen nach Dr. Heather Hirsch: Welcher Typ bist du?