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Nachtschweiß gehört zu den sogenannten vasomotorischen Beschwerden der Wechseljahre und ist im Grunde die nächtliche Variante einer Hitzewallung. Die Ursache liegt nicht einfach darin, dass dem Körper „zu warm“ ist, sondern in einer veränderten Temperaturregulation im Gehirn.
Eine wichtige Rolle spielt der Hypothalamus. Er funktioniert unter anderem wie eine Schaltzentrale für unsere Körpertemperatur. Durch die Veränderungen des Östrogenspiegels rund um die Menopause reagieren bestimmte Nervenzellen dort empfindlicher – darunter die sogenannten KNDy-Neuronen.
Diese Nervenzellen sind an der Steuerung der Wärmeabgabe beteiligt. Sinkt der Östrogeneinfluss, kann das System leichter eine Reaktion auslösen, obwohl die Körpertemperatur nur geringfügig verändert ist. Blutgefäße in der Haut erweitern sich, die Haut wird warm und der Körper beginnt zu schwitzen, um Wärme abzugeben.
Passiert das nachts, kann eine Frau schweißgebadet aufwachen – manchmal so stark, dass Schlafkleidung oder Bettwäsche feucht sind. Danach kann sogar Frieren folgen, weil der Körper zuvor viel Wärme abgegeben hat.
Nachtschweiß kann dadurch den Schlaf gleich doppelt beeinträchtigen: Die Hitzewallung selbst weckt auf und anschließend kann es schwerfallen, wieder einzuschlafen.
Hormone sind allerdings nicht die einzige mögliche Ursache für starkes nächtliches Schwitzen. Wenn Nachtschweiß neu auftritt, ungewöhnlich stark ist oder von anderen auffälligen Beschwerden begleitet wird, sollte deshalb nicht automatisch von den Wechseljahren ausgegangen werden.
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Unser Nervensystem entscheidet ständig mit darüber, ob der Körper gerade auf Aktivität oder auf Erholung eingestellt ist. Besonders wichtig ist dabei das autonome Nervensystem – also der Teil, der viele Körperfunktionen weitgehend automatisch steuert.
Dazu gehören zwei große Gegenspieler: Sympathikus und Parasympathikus. Der Sympathikus mobilisiert Energie, wenn wir handeln oder auf eine Herausforderung reagieren müssen. Herzschlag und Aufmerksamkeit können zunehmen, der Körper wird leistungsbereit. Der Parasympathikus unterstützt dagegen Ruhe, Verdauung und Regeneration.
Stress ist deshalb zunächst nichts Schädliches. Problematischer wird es, wenn Anforderungen über lange Zeit bestehen und der Organismus nur schwer wieder aus seiner erhöhten Aktivierung herausfindet.
Das kann sich sehr körperlich anfühlen: Herzklopfen, flachere Atmung, Muskelanspannung, innere Getriebenheit oder das Gefühl, nicht richtig herunterfahren zu können. Gleichzeitig beeinflussen Gehirn, Hormonsystem und Nervensystem einander ständig.
Rund um die Wechseljahre können hormonelle Veränderungen zusätzlich beeinflussen, wie Stress, Schlaf und emotionale Reize wahrgenommen und verarbeitet werden. Das bedeutet nicht, dass jede innere Unruhe „von den Hormonen“ kommt. Es erklärt aber, warum sich die eigene Stressreaktion in dieser Lebensphase manchmal anders anfühlen kann als früher.
Regulation bedeutet dabei nicht, ständig vollkommen entspannt zu sein. Ein gesundes Nervensystem muss aktiv werden können – und anschließend wieder in Richtung Ruhe zurückfinden.
→ Mehr über meinen Blick auf Nervensystem, Wechseljahre und den zunehmenden Druck zur Selbstoptimierung findest du in meinem Beitrag „Menopause, Nervensystem und der Druck zur Selbstoptimierung“.
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Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, mit denen Nervenzellen miteinander kommunizieren. Sie übertragen Signale zwischen Nervenzellen und beeinflussen dadurch unter anderem Stimmung, Motivation, Aufmerksamkeit, Schlaf und Stressreaktionen.
Zu den bekanntesten gehören Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und GABA. Dabei wäre es allerdings zu einfach, einzelnen Botenstoffen jeweils ein Gefühl zuzuordnen – etwa Serotonin als „Glückshormon“ oder Dopamin als „Motivationshormon“.
Unser Gehirn funktioniert vielmehr über komplexe Netzwerke. Derselbe Neurotransmitter kann je nach Hirnregion und Rezeptor unterschiedliche Wirkungen haben.
Spannend für die Wechseljahre ist, dass Sexualhormone und diese Signalsysteme nicht unabhängig voneinander arbeiten. Östrogen kann verschiedene Neurotransmittersysteme beeinflussen, darunter serotonerge und dopaminerge Signalwege. Wenn sich der Östrogenspiegel während der Perimenopause stark verändert, verändert sich damit auch ein Einflussfaktor auf das Gehirn.
Das ist einer der biologischen Gründe, warum die hormonelle Umstellung nicht nur Eierstöcke und Zyklus betrifft. Manche Frauen bemerken in dieser Zeit beispielsweise stärkere Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder eine veränderte Stressreaktion.
Trotzdem lässt sich eine bestimmte Stimmung nicht einfach an einem einzelnen Neurotransmitter festmachen. Aussagen wie „Depression ist Serotoninmangel“ oder „zu wenig Dopamin macht antriebslos“ bilden die tatsächlichen Vorgänge im Gehirn viel zu einfach ab.
Gerade das macht Neurotransmitter interessant: Sie zeigen, wie eng Hormone, Nervensystem und Gehirn miteinander verbunden sind.
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Nahrungsergänzungsmittel werden rund um die Wechseljahre sehr unterschiedlich bewertet. Während klassische Ernährungsempfehlungen Supplemente vor allem dann vorsehen, wenn die Versorgung über Ernährung und Sonnenlicht nicht ausreicht oder ein konkreter Mangel besteht, gehen einige auf Frauen in der Lebensmitte spezialisierte Ärztinnen und Ärzte weiter.
Dr. Mary Claire Haver gehört beispielsweise zu denen, die bestimmte Ergänzungen gezielt in ihre Empfehlungen für Frauen ab etwa 40 integrieren. Dazu zählen unter anderem Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren und Kreatin. Auch Magnesium und bestimmte Kollagenpeptide spielen in ihren Veröffentlichungen eine Rolle.
Vitamin D ist dabei ein gutes Beispiel dafür, wie unterschiedlich Empfehlungen ausfallen können. Über die Bedeutung von Vitamin D für Knochen, Muskeln und Immunsystem besteht wenig Streit. Deutlich kontroverser ist die Frage, welcher Blutspiegel als optimal gelten sollte und wann beziehungsweise in welcher Höhe supplementiert werden sollte. Ärzte wie Prof. Jörg Spitz oder Dr. Michael Nehls vertreten hier teilweise deutlich höhere Zielbereiche als klassische Referenzempfehlungen.
Ähnlich wichtig ist die Unterscheidung zwischen Mindestversorgung und optimaler Versorgung. Ein Laborwert innerhalb eines Referenzbereichs beantwortet nicht automatisch die Frage, welcher Wert für jeden Menschen individuell optimal ist. Gleichzeitig bedeutet „mehr“ bei Mikronährstoffen nicht grundsätzlich „besser“ – besonders bei fettlöslichen Vitaminen und höheren Dosierungen spielen Blutwerte und individuelle Voraussetzungen eine Rolle.
Andere Ergänzungen werden nicht in erster Linie eingesetzt, um einen klassischen Mangel auszugleichen. Kreatin ist dafür ein gutes Beispiel. Es wird zunehmend im Zusammenhang mit Muskelkraft und Muskelmasse untersucht und kann gerade zusammen mit Krafttraining für Frauen in der zweiten Lebenshälfte interessant sein.
Eine sinnvolle Supplementierung muss deshalb weder bedeuten, wahllos zahlreiche Präparate einzunehmen, noch Nahrungsergänzung grundsätzlich für überflüssig zu halten. Interessanter ist die Frage: Welche Stoffe sind für Frauen in dieser Lebensphase besonders relevant, wie gut bin ich versorgt und was zeigt die Forschung zu einer gezielten Ergänzung?
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