-
Ein dauerhaft niedriger Östrogenspiegel nach der Menopause kann unter anderem mit Hitzewallungen, Nachtschweiß, vaginaler Trockenheit und anderen Beschwerden des Urogenitaltrakts sowie Veränderungen von Haut, Knochen und Stoffwechsel zusammenhängen. Auch Schlaf, Stimmung und Konzentration können während des hormonellen Übergangs beeinflusst werden.
Dabei lohnt es sich, Perimenopause und Postmenopause zu unterscheiden. In der Perimenopause sinkt Östrogen nicht einfach kontinuierlich ab. Die Aktivität der Eierstöcke wird unregelmäßiger und der Östrogenspiegel kann stark schwanken – mit teilweise hohen Werten und anschließend deutlichen Abfällen.
Nach der Menopause verändert sich die Situation grundlegend. Die Eierstöcke stellen ihre zyklische Hormonproduktion weitgehend ein, und insbesondere Estradiol – das wichtigste Östrogen während der fruchtbaren Jahre – bleibt dauerhaft auf einem sehr niedrigen Niveau. Der Körper produziert zwar weiterhin geringe Mengen an Östrogenen, unter anderem durch die Umwandlung von Hormonvorstufen in anderen Geweben. Das frühere hormonelle Niveau wird dadurch jedoch nicht annähernd erreicht.
Und genau das ist ein wichtiger Punkt: Die Postmenopause ist keine kurze Phase nach den Wechseljahren. Sie ist der gesamte Lebensabschnitt nach der Menopause. Eine Frau, die mit etwa 50 ihre Menopause erlebt und 85 Jahre alt wird, verbringt möglicherweise mehr als ein Drittel ihres Lebens unter diesen dauerhaft veränderten hormonellen Bedingungen.
Manche Folgen können unmittelbar spürbar sein. Hitzewallungen und Nachtschweiß können noch Jahre anhalten. Vaginales und vulväres Gewebe kann dünner, trockener und weniger elastisch werden. Schmerzen beim Sex, Brennen, häufiger Harndrang oder wiederkehrende Harnwegsbeschwerden können zum sogenannten genitourinären Menopausensyndrom (GSM) gehören. Anders als manche andere Wechseljahresbeschwerden verschwinden diese Veränderungen nicht unbedingt von selbst und können sich nach der Menopause mit zunehmendem Alter verstärken.
Andere Auswirkungen des langfristig niedrigen Östrogenspiegels bleiben zunächst unsichtbar. Der Knochenabbau beschleunigt sich besonders rund um die Menopause, wodurch langfristig das Osteoporoserisiko steigt. Gleichzeitig verändern sich Körperzusammensetzung, Fettstoffwechsel und verschiedene kardiometabolische Faktoren. Auch Haut und Bindegewebe verändern sich: Mit zunehmendem Alter und dem nachlassenden Östrogeneinfluss nimmt unter anderem der Kollagengehalt der Haut ab.
Östrogenmangel ist deshalb weit mehr als eine mögliche Erklärung für Hitzewallungen. Östrogen wirkt als Signalstoff in zahlreichen Geweben des Körpers. Nach der Menopause lebt der weibliche Körper dauerhaft unter anderen hormonellen Bedingungen als während der reproduktiven Jahre – und dieser Lebensabschnitt kann mehrere Jahrzehnte dauern.
Das bedeutet nicht, dass jede Beschwerde in der Postmenopause automatisch durch einen niedrigen Östrogenspiegel verursacht wird. Aber der langfristig deutlich geringere Östrogeneinfluss ist ein wichtiger Teil der Biologie des weiblichen Alterns und betrifft weit mehr als Zyklus und Fruchtbarkeit.
→ Mehr über Östrogen, die hormonellen Veränderungen rund um die Menopause und die Jahre danach findest du in meinem persönlichen Live-Guide „Mittendrin“. Hormone und der Rest
-
Osteoporose bedeutet, dass Knochen an Stabilität verlieren und dadurch leichter brechen können. Warum das für Frauen rund um die Menopause besonders relevant wird, versteht man besser, wenn man weiß, dass Knochen keineswegs starres Material sind.
Unser Knochengewebe wird ein Leben lang umgebaut. Spezialisierte Zellen, die Osteoklasten, bauen altes Knochengewebe ab. Andere Zellen, die Osteoblasten, bilden neues. Dieser ständige Umbau ermöglicht es dem Skelett, sich zu erneuern und auf Belastungen zu reagieren.
Östrogen ist an der Regulation dieses Systems beteiligt und bremst unter anderem den Knochenabbau. Wenn der Östrogeneinfluss rund um die Menopause deutlich zurückgeht, verschiebt sich das Gleichgewicht stärker in Richtung Abbau: Die Osteoklasten bauen mehr Knochen ab, als die Osteoblasten neu bilden können. Deshalb kann der Verlust an Knochenmasse in den Jahren rund um die Menopause besonders schnell verlaufen.
Das Tückische daran: Man spürt eine sinkende Knochendichte normalerweise nicht. Knochen können über Jahre an Substanz verlieren, ohne Schmerzen zu verursachen. Osteoporose fällt deshalb manchmal erst auf, wenn es zu einem Knochenbruch kommt.
Wie stabil unsere Knochen bleiben, hängt aber nicht nur von Östrogen ab. Genetische Voraussetzungen, Muskelkraft, Bewegung, Protein- und Nährstoffversorgung sowie bestimmte Erkrankungen und Medikamente können ebenfalls eine Rolle spielen.
Besonders spannend ist, dass Knochen auf mechanische Belastung reagieren. Krafttraining erzeugt über die Muskulatur Zugkräfte am Knochen. Aber auch kurze Stoß- und Impactbelastungen können einen starken Knochenreiz setzen. Dazu gehören – wenn Gelenke, Beckenboden und körperliche Voraussetzungen es erlauben – beispielsweise kleine Sprünge und andere hüpfende oder sprungartige Bewegungen.
Genau dieser Reiz ist interessant: Beim Landen wirken für einen kurzen Moment höhere Kräfte auf das Skelett. Knochenzellen registrieren solche mechanischen Belastungen und reagieren darauf mit Anpassungsprozessen. Deshalb wird für die Knochengesundheit nicht nur über Krafttraining gesprochen, sondern zunehmend auch über gezielte Impact- und Sprungbelastungen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass jede Frau einfach anfangen sollte zu springen. Bei bereits bestehender Osteoporose, Frakturen oder anderen körperlichen Einschränkungen muss die Art der Belastung individuell angepasst werden. Für gesunde Frauen kann es aber sinnvoll sein, knochenwirksame Belastungsreize schon früh in Bewegung und Training einzubauen.
Auch eine systemische menopausale Hormontherapie kann den beschleunigten Knochenverlust vermindern und das Risiko osteoporotischer Frakturen senken. Ob sie für eine einzelne Frau infrage kommt, ist eine individuelle medizinische Entscheidung.
Osteoporoseprävention beginnt deshalb nicht erst im hohen Alter. Gerade die Jahre rund um die Menopause sind eine wichtige Phase, um Knochen und Muskulatur für die kommenden Jahrzehnte im Blick zu behalten.
-
Omega-3-Fettsäuren sind wichtige Bestandteile unserer Zellmembranen und an zahlreichen Vorgängen im Körper beteiligt. Besonders relevant sind ALA, EPA und DHA. Sie gehören zwar alle zur Omega-3-Familie, erfüllen aber unterschiedliche Funktionen und sind nicht einfach austauschbar.
ALA, die Alpha-Linolensäure, ist essentiell. Das bedeutet: Unser Körper kann sie nicht selbst herstellen und muss sie über die Ernährung aufnehmen. Aus ALA kann der Körper grundsätzlich EPA und anschließend DHA bilden – diese Umwandlung ist jedoch begrenzt. Deshalb macht es einen Unterschied, ob wir nur ALA oder EPA und DHA direkt aufnehmen.
EPA und DHA werden unter anderem in Zellmembranen eingebaut und dienen als Ausgangsstoffe für verschiedene Signal- und Regulationsmoleküle. DHA findet sich in besonders hoher Konzentration im Gehirn und in der Netzhaut des Auges. EPA und DHA sind außerdem an der Bildung von Stoffen beteiligt, die Entzündungsprozesse regulieren.
Gut untersucht ist ihre Wirkung auf erhöhte Triglyceridwerte: EPA und DHA können diese senken. Omega-3-Fettsäuren werden deshalb auch im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Gesundheit intensiv untersucht – ein Thema, das für Frauen nach der Menopause zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Auch mögliche Effekte auf Gehirn, Muskeln und gesundes Altern werden erforscht. Dabei ist die Studienlage nicht für jede beworbene Wirkung gleich stark. „Omega-3 ist gut für alles“ wäre deshalb genauso zu einfach wie die Aussage, Omega-3 spiele kaum eine Rolle.
Wer keinen Fisch isst, muss übrigens nicht auf EPA und DHA verzichten. Beide können direkt aus bestimmten Mikroalgen gewonnen werden. Das ist besonders interessant, weil die Omega-3-Fettsäuren der marinen Nahrungskette ursprünglich aus Mikroalgen stammen – Fische nehmen sie über ihre Nahrung auf und reichern sie im Gewebe an.
Algenöl sollte dabei nicht mit Algenpulvern wie Spirulina oder Chlorella verwechselt werden. Auch diese Mikroalgen können ernährungsphysiologisch interessant sein, stehen aber wegen anderer Inhaltsstoffe im Fokus und sind nicht einfach mit einem EPA- und DHA-reichen Algenöl gleichzusetzen.
Omega-3 ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, warum es sich lohnt, bei Nahrungsergänzung genauer hinzusehen. Entscheidend ist nicht nur „Omega-3 ja oder nein“, sondern welche Omega-3-Fettsäuren gemeint sind, wie viel davon aufgenommen wird und welches Ziel damit verfolgt wird.
-
Eine primäre ovarielle Insuffizienz, kurz POI, bedeutet, dass die Funktion der Eierstöcke bereits vor dem 40. Lebensjahr deutlich eingeschränkt ist. Eisprünge können unregelmäßig werden oder ausbleiben und die Östrogenproduktion kann stark zurückgehen.
Wichtig ist: Eine ovarielle Insuffizienz ist nicht einfach eine „Menopause mit 30“. Anders als nach einer natürlichen Menopause kann die Aktivität der Eierstöcke bei einer POI schwanken. Es kann zeitweise wieder zu einer Eierstockaktivität und zu Eisprüngen kommen. Eine spontane Schwangerschaft ist deshalb grundsätzlich noch möglich.
Ein erstes Zeichen können unregelmäßige oder ausbleibende Menstruationen sein. Durch den niedrigeren Östrogeneinfluss können außerdem Beschwerden auftreten, die man auch aus den Wechseljahren kennt – beispielsweise Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlafprobleme oder vaginale und urogenitale Veränderungen.
Besonders wichtig ist das junge Alter der betroffenen Frauen. Wenn die Östrogenproduktion bereits mit 25, 30 oder 35 Jahren deutlich zurückgeht, fehlen die Wirkungen des Östrogens viele Jahre früher als bei einer natürlichen Menopause um das 50. Lebensjahr.
Deshalb betrifft eine POI weit mehr als Fruchtbarkeit. Der langfristig niedrige Östrogeneinfluss kann unter anderem für Knochen und Herz-Kreislauf-Gesundheit von Bedeutung sein. Eine frühe Diagnose und medizinische Begleitung sind deshalb wichtig.
Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Genetische Veränderungen und Autoimmunprozesse können eine Rolle spielen, ebenso medizinische Behandlungen wie Chemotherapie oder Operationen an den Eierstöcken. Bei vielen Frauen lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache feststellen.
Auch die Hormontherapie hat bei einer POI einen etwas anderen Stellenwert als bei einer natürlichen Menopause im üblichen Alter. Hier geht es nicht nur um die Behandlung möglicher Beschwerden, sondern auch darum, Hormone zu ersetzen, die der Körper normalerweise noch über viele Jahre produziert hätte. Sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen, wird eine Hormontherapie deshalb üblicherweise bis ungefähr zum durchschnittlichen natürlichen Menopausenalter empfohlen.
-
Ein Orgasmus kann sich während und nach den Wechseljahren verändern. Manche Frauen brauchen länger, um zum Orgasmus zu kommen, erleben ihn weniger intensiv oder stellen fest, dass eine Stimulation, die früher zuverlässig funktioniert hat, plötzlich nicht mehr ausreicht. Bei anderen verändert sich dagegen kaum etwas.
Ein Orgasmus ist ein komplexer körperlicher Vorgang. Dafür müssen Gehirn, Nerven, Durchblutung und Beckenboden zusammenspielen. Bei sexueller Erregung füllt sich das erektile Gewebe der Klitoris stärker mit Blut, Nerven leiten sexuelle Reize weiter und beim Orgasmus kommt es unter anderem zu rhythmischen Kontraktionen der Beckenbodenmuskulatur.
Nach der Menopause kann der dauerhaft niedrigere Östrogeneinfluss diese Voraussetzungen verändern. Die Durchblutung des Genitalgewebes kann abnehmen, vulväres und vaginales Gewebe kann dünner und weniger elastisch werden und auch die Klitoris kann von den Veränderungen des genitourinären Menopausensyndroms – kurz GSM – betroffen sein. Dr. Lauren Streicher beschreibt im Gespräch mit Dr. Mary Claire Haver unter anderem Veränderungen der klitoralen Sensibilität und der Reaktion auf Berührung.
Das kann erklären, warum ein Orgasmus manchmal länger braucht oder sich weniger intensiv anfühlt. Hinzu kommen mögliche Schmerzen beim Sex, Veränderungen des Beckenbodens, bestimmte Medikamente – insbesondere einige Antidepressiva – sowie Erkrankungen, die Nerven oder Durchblutung beeinträchtigen können.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Libido und Orgasmusfähigkeit. Eine Frau kann durchaus Lust auf Sex haben und trotzdem Schwierigkeiten haben, einen Orgasmus zu erreichen. Umgekehrt bedeutet wenig spontane Lust nicht automatisch, dass kein Orgasmus möglich ist.
Auch stärkere oder gezieltere Stimulation kann mit zunehmendem Alter wichtiger werden. Streicher spricht deshalb ganz selbstverständlich über Vibratoren als Hilfsmittel: Vibration kann Nerven sehr intensiv stimulieren und damit einen Reiz liefern, der durch Berührung allein möglicherweise nicht mehr ausreichend entsteht.
Veränderungen des Orgasmus sind deshalb nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass sexuelles Erleben im Alter verschwindet. Häufig verändern sich vielmehr die körperlichen Voraussetzungen – und damit möglicherweise auch das, was der Körper für Erregung und Orgasmus braucht.
Zurück
Zurück
Weiter
Weiter