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Weniger Lust auf Sex ist rund um die Wechseljahre keine Seltenheit – und meistens lässt sich Libido nicht auf ein einziges Hormon reduzieren. Sexuelle Lust entsteht aus einem Zusammenspiel von Hormonen, Gehirn, Körper, Beziehung, Stress, Schlaf und persönlichem Wohlbefinden.
Hormonell verändert sich in diesen Jahren einiges. Östrogen beeinflusst unter anderem die Durchblutung und das Gewebe im Genitalbereich. Sinkt der Östrogeneinfluss, können vaginale Trockenheit, eine empfindlichere Schleimhaut oder Schmerzen beim Sex entstehen. Wenn Sex unangenehm oder schmerzhaft wird, kann verständlicherweise auch die Lust darauf abnehmen.
Daneben spielt Testosteron auch bei Frauen eine Rolle für die sexuelle Funktion. Anders als Östrogen fällt Testosteron allerdings nicht plötzlich mit der Menopause ab, sondern nimmt im Laufe des Erwachsenenlebens eher allmählich ab. Ein niedriger Testosteronwert allein erklärt deshalb nicht automatisch einen Libidoverlust.
Und dann gibt es noch etwas, das in reinen Hormonerklärungen leicht untergeht: Lust braucht Bedingungen, unter denen sie überhaupt entstehen kann. Dauerstress, Schlafmangel, Erschöpfung, Medikamente, depressive Verstimmungen, Konflikte in einer Beziehung oder Veränderungen des eigenen Körpergefühls können genauso wichtig sein.
Auch die Art, wie Lust entsteht, kann sich verändern. Sie muss nicht immer spontan auftauchen. Bei manchen Frauen entwickelt sich sexuelles Verlangen erst aus Nähe, Berührung oder beginnender Erregung heraus. Weniger spontane Lust bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Sexualität oder sexuelles Interesse verschwunden sind.
Libidoverlust in den Wechseljahren ist also kein simples „zu wenig Östrogen“ oder „zu wenig Testosteron“. Viel interessanter ist die Frage, welche körperlichen, hormonellen und persönlichen Faktoren bei einer Frau gerade zusammenspielen.
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LDL-Cholesterin kann rund um den Übergang zur Menopause ansteigen – selbst wenn sich an Ernährung oder Gewicht gar nicht besonders viel verändert hat. Ein Grund dafür ist, dass Östrogen auch den Fettstoffwechsel beeinflusst.
Cholesterin selbst ist zunächst nichts Schlechtes. Der Körper braucht es unter anderem für Zellmembranen, Gallensäuren und als Ausgangsstoff für verschiedene Steroidhormone. Weil Cholesterin nicht einfach frei durch das Blut schwimmen kann, wird es in sogenannten Lipoproteinen transportiert.
Eines davon ist LDL – Low Density Lipoprotein. LDL transportiert Cholesterin aus der Leber zu verschiedenen Geweben im Körper. Die Leber besitzt wiederum LDL-Rezeptoren, mit denen sie LDL-Partikel aus dem Blut aufnehmen kann.
Östrogen beeinflusst diesen Stoffwechsel. Wenn der Östrogeneinfluss rund um die Menopause abnimmt, können sich LDL-Verarbeitung und Fettstoffwechsel verändern. In Studien sieht man deshalb während des menopausalen Übergangs häufig einen Anstieg von LDL- und Gesamtcholesterin.
Das ist auch einer der Gründe, warum Herz-Kreislauf-Gesundheit in der zweiten Lebenshälfte stärker in den Blick rückt. Dabei sollte LDL allerdings nicht völlig isoliert betrachtet werden. Triglyceride, HDL, Blutdruck, Blutzucker, Rauchen, Bewegung, familiäre Vorbelastung und andere Faktoren gehören ebenfalls zum Gesamtbild des persönlichen Herz-Kreislauf-Risikos.
Ein steigender LDL-Wert rund um die Menopause bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Frau „falsch gegessen“ hat. Die hormonelle Umstellung kann ein Teil der Erklärung sein – und genau deshalb lohnt es sich, Veränderungen der Blutfette in dieser Lebensphase überhaupt auf dem Schirm zu haben.
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Die Leber und unsere Hormone stehen in einem ständigen Austausch miteinander. Die Leber produziert Hormone zwar nicht hauptsächlich selbst, sie ist aber maßgeblich daran beteiligt, Hormone zu verarbeiten, umzubauen und ihre Abbauprodukte für die Ausscheidung vorzubereiten.
Das betrifft auch Steroidhormone wie Östrogene. Nachdem Hormone ihre Wirkung entfaltet haben, müssen sie weiterverarbeitet werden. In der Leber werden sie durch verschiedene Enzymsysteme chemisch verändert. Dadurch entstehen Verbindungen, die anschließend unter anderem über Galle und Darm oder über die Nieren ausgeschieden werden können.
Interessant ist, dass dieser Zusammenhang in beide Richtungen funktioniert. Hormone beeinflussen wiederum die Leber. Östrogene wirken beispielsweise auf den Fett- und Glukosestoffwechsel und damit auf Prozesse, die eng mit der Leber verbunden sind.
Auch Cholesterin verbindet beide Welten miteinander. Die Leber spielt eine zentrale Rolle bei seiner Herstellung und Verarbeitung – gleichzeitig ist Cholesterin der Ausgangsstoff, aus dem der Körper Steroidhormone wie Östrogen, Progesteron und Testosteron herstellen kann.
Die oft verwendete Aussage „Die Leber entgiftet unsere Hormone“ greift deshalb eigentlich zu kurz. Treffender ist: Die Leber ist eines der zentralen Stoffwechselorgane, das mit dafür sorgt, dass Hormone verarbeitet, umgebaut und schließlich ausgeschieden werden können.
Gerade rund um die Menopause lohnt es sich deshalb, Hormone, Stoffwechsel und Leber nicht als voneinander getrennte Systeme zu betrachten. Im Körper hängt sehr viel mehr miteinander zusammen, als einzelne Laborwerte zunächst vermuten lassen.
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Longevity bedeutet wörtlich zunächst Langlebigkeit. In der modernen Gesundheitsforschung geht es dabei aber längst nicht nur darum, möglichst viele Lebensjahre zu erreichen. Mindestens genauso interessant ist die Frage: Wie viele dieser Jahre verbringen wir gesund, beweglich, geistig wach und selbstständig?
Dafür gibt es den Begriff Healthspan – die gesunde Lebensspanne. Zwei Menschen können dasselbe Alter erreichen und trotzdem völlig unterschiedlich altern. Der eine verbringt viele Jahre mit Einschränkungen und chronischen Erkrankungen, während der andere lange körperlich aktiv und selbstständig bleibt.
Genau deshalb richtet sich der Blick bei Longevity zunehmend auf die Jahre, bevor Erkrankungen entstehen. Muskelmasse und Muskelkraft erhalten, Knochen belasten, Herz und Gefäße schützen, den Stoffwechsel gesund halten, ausreichend schlafen, sich gut ernähren und geistig und sozial aktiv bleiben – all das sind keine voneinander getrennten „Anti-Aging-Tricks“. Es sind Bausteine derselben Frage: Wie möchten wir älter werden?
Für Frauen bekommen die Jahre rund um die Menopause dabei eine besondere Bedeutung. Mit der hormonellen Umstellung verändern sich unter anderem Knochenstoffwechsel, Körperzusammensetzung und verschiedene kardiometabolische Faktoren. Gleichzeitig liegen nach der Menopause häufig noch mehrere Lebensjahrzehnte vor uns.
Und genau darin steckt auch eine Chance. Gesundes Altern entscheidet sich nicht erst mit 70 oder 80. Viele Dinge, die später darüber mitbestimmen, wie belastbar und selbstständig wir sind, können wir schon Jahre oder Jahrzehnte vorher beeinflussen.
Longevity bedeutet deshalb für mich nicht, dem Altern hinterherzulaufen oder möglichst jung bleiben zu wollen. Es geht vielmehr darum, die eigene Gesundheit so lange wie möglich zu erhalten – damit aus einer längeren Lebenszeit möglichst viele gute Lebensjahre werden.
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