Ein Gedanke zu Östrogen, der mich nicht losgelassen hat

 
 

Ich beschäftige mich gerade durch mein E-Book und die Blogartikel hier so intensiv mit dem Thema Hormone wie schon lange nicht mehr. Beim Schreiben meines Artikels zu HRT nach 60 bin ich genau an diesem Punkt hängen geblieben: Wir Frauen hatten Östrogen doch schon immer im Blut. Jahrzehntelang, teilweise in richtig hohen Mengen. Und jetzt, sobald es um eine Therapie nach der Menopause geht, soll genau dieser Stoff plötzlich ein Risiko sein?

Das hat sich für mich laienhaft irgendwie nicht rund angefühlt. Wenn unser Körper diesen Stoff sein ganzes Leben lang kannte, warum sollte er auf einmal schlecht für uns sein?

Genau bei solchen Themen entstehen bei mir dann Fragen. Ich hab nachgefragt und ein bisschen recherchiert – und bin zu etwas gekommen, das für mich total Sinn ergeben hat: Es ist nicht das Östrogen selbst, das mit der Zeit gefährlich wird. Es ist der Körper drumherum, der sich in der Pause verändert.

Solange wir durchgehend Östrogen hatten, waren unsere Blutgefäße quasi daran gewöhnt – geschmeidig, gut durchblutet, weil Östrogen genau das fördert. Fällt das Hormon über viele Jahre komplett weg, verändern sich die Gefäße langsam, oft unbemerkt. Sie werden etwas steifer, es können sich Dinge ablagern, die vorher in Schach gehalten wurden.

Kommt dann, nach so einer langen Pause, plötzlich wieder Östrogen dazu, trifft es nicht mehr auf die Gefäße von früher – sondern auf Gefäße, die sich in der Zwischenzeit verändert haben. Und genau da kann es, zumindest bei manchen Frauen, zu Reaktionen kommen, die man bei durchgehender Einnahme nie gesehen hätte.

Es ist also nicht so, dass Östrogen ein Verfallsdatum hätte. Es ist eher: Je länger die Pause, desto mehr kann sich in der Zwischenzeit im Körper verändert haben – und darauf trifft das Hormon dann.

Seit ich das so für mich sortiert habe, fühlt sich das ganze Thema für mich viel weniger nach Widerspruch an. Es ist kein "Östrogen wird böse", sondern ein "je nachdem, wie lange die Pause war, ist die Ausgangslage im Körper eine andere". Ein kleiner Unterschied in der Formulierung – aber für mich hat er wirklich etwas geklärt.

 
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HRT nach 60 – wirklich zu spät?