Perimenopause, Menopause, Postmenopause: Wo stehst du eigentlich gerade?

 

„Ich bin in der Menopause" – diesen Satz hört und sagt man ständig. Nur: Streng genommen stimmt er fast nie. Denn die Menopause ist kein Zustand, in dem man „ist". Sie ist ein einziger Tag.

Das überrascht die meisten Frauen, wenn sie es zum ersten Mal hören. Dabei macht genau dieses Missverständnis vieles unnötig unübersichtlich – gerade dann, wenn man versucht zu verstehen, was gerade mit dem eigenen Körper passiert.

Hier die drei Phasen, sauber auseinandergehalten.

Perimenopause: die Übergangsphase

Die Perimenopause beginnt oft viel früher, als die meisten erwarten – manchmal schon Mitte oder Ende 30. Was in dieser Phase im Körper passiert, ist keine sanfte, gleichmäßige Talfahrt, wie viele denken. Es ist eher eine Achterbahn.

Die Eierstöcke arbeiten nicht einfach nur „weniger" – sie geraten zunächst regelrecht in Hektik. Es kann sein, dass sie in einem Zyklus plötzlich viel mehr Östrogen ausschütten als früher, fast wie ein letzter Kraftakt – um im nächsten Zyklus dann kaum noch etwas zu produzieren. Dieses Auf und Ab, dieser ständige Wechsel zwischen Zuviel und Zuwenig, hat in der englischsprachigen Forschung einen eigenen Namen bekommen:

die „Zone of Chaos". Genau dieses Chaos – nicht ein gleichmäßiger Mangel – ist es, das viele der typischen Beschwerden auslöst. Eine Hitzewallung zum Beispiel entsteht oft genau in dem Moment, in dem der Östrogenspiegel abrupt abstürzt, nachdem er kurz zuvor noch hoch war.

Das bedeutet: nicht sofort ein Mangel an Hormonen, sondern vor allem starke Schwankungen.

Typisch für die Perimenopause:

  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche

  • unruhiger oder schlechter Schlaf

  • Stimmungsschwankungen und innere Unruhe

  • veränderte Zykluslängen, stärkere oder kürzere Blutungen

  • Konzentrationsprobleme

  • erste Veränderungen von Haut und Schleimhäuten

Das Tückische: Viele Frauen merken in dieser Phase lange nichts eindeutig Hormonelles. Erst im Rückblick wird klar – das war bereits der Beginn der Umstellung.

Erschwerend kommt hinzu: Wer mit diesen Symptomen zur Ärztin oder zum Arzt geht, bekommt sie nur äußerst selten mit der Perimenopause in Verbindung gebracht. Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen, innere Unruhe – das wird oft einzeln behandelt, statt im hormonellen Zusammenhang gesehen zu werden. Im schlimmsten Fall landet man so bei einem Schlafmittel oder einem Antidepressivum, während die eigentliche Ursache unbenannt bleibt.

Menopause: ein Zeitpunkt, kein Zustand

Medizinisch ist die Menopause exakt definiert: der Moment der letzten spontanen Menstruation. Man kann sie aber erst rückblickend bestimmen – nämlich dann, wenn zwölf Monate lang keine Blutung mehr aufgetreten ist.

Das heißt konkret: Während man mittendrin steckt, weiß man es noch gar nicht.

Und daraus folgt die einfachste Eselsbrücke für die drei Begriffe:

  • Alles vor diesem einen Tag: Perimenopause

  • Der Tag selbst: Menopause

  • Alles danach: Postmenopause – für den Rest des Lebens

Umgangssprachlich sagen wir trotzdem alle weiter „ich bin in der Menopause", auch Jahre später noch. Das ist völlig in Ordnung – nur medizinisch gesehen meinen wir damit eigentlich die Postmenopause.

Postmenopause: die neue hormonelle Realität

Die Postmenopause ist keine kurze Übergangsphase, kein „Danach", das man hinter sich bringt. Sie ist eine eigene, lange Lebensphase – für viele Frauen 25, 30 Jahre oder mehr.

Eine der häufigsten Fragen dazu: Produziere ich überhaupt noch Hormone? Die Antwort: ja – aber anders. Die Eierstöcke stellen ihre zyklische Produktion weitgehend ein, aber Östrogen, Progesteron und Testosteron werden weiterhin in anderen Geweben gebildet – im Fettgewebe, in den Nebennieren, in der Haut. Nur eben in geringeren Mengen und ohne Zyklus.

Der wichtigste Unterschied zur Perimenopause: In der Perimenopause reagiert der Körper auf hormonelle Schwankungen. In der Postmenopause sind diese Schwankungen vorbei – der Östrogenspiegel sackt stattdessen dauerhaft auf ein Niveau nahe null ab. Kein Auf und Ab mehr, sondern ein durchgehend sehr niedriger Spiegel. Das ist keine Fehlfunktion, sondern eine neue hormonelle Ausgangslage.

Perimenopause, Menopause, Postmenopause: 3 typische Missverständnisse

„Nach der Menopause wird es automatisch ruhiger." Für manche Frauen stimmt das – für viele nicht. Symptome verändern sich, verschwinden aber nicht einfach.

„Wenn ich die Wechseljahre hinter mir habe, ist das Thema erledigt." In Wahrheit beginnt hier erst die lange Phase, in der sich die Gesundheit neu organisiert.

Ich hab das erst vor Kurzem wieder erlebt: Eine alte Freundin erzählte mir, sie sei „schon durch" – und sagte das in einem Ton, als hätte sie mit dem ganzen Thema nichts mehr zu tun. Als hätte ihr jetziger Zustand in der Postmenopause biologisch gar keine Bedeutung mehr, weil die Wechseljahre ja abgeschlossen seien. Das begegnet mir wirklich oft. Und ehrlich gesagt ging es mir früher genauso – ich kannte den Begriff Postmenopause selbst lange gar nicht.

„Was jetzt kommt, ist vor allem altersbedingt." Viele Veränderungen werden vorschnell dem Alter zugeschrieben, obwohl sie hormonell erklärbar sind.

Warum die Unterscheidung der Wechseljahres-Phasen wichtig ist

Wenn du weißt, in welcher Phase du dich befindest, verstehst du auch besser, warum sich etwas gerade so anfühlt, wie es sich anfühlt. Schwankungen brauchen einen anderen Blick als ein dauerhaft niedriger Hormonspiegel – und auch andere Antworten.

Ich bin selbst gerade 61 geworden und nehme seit meinem 55. Lebensjahr eine Hormonersatztherapie. Für mich war lange nicht klar, in welcher Phase ich eigentlich steckte – bis ich anfing, mich wirklich damit auseinanderzusetzen. Diese Klarheit hätte ich mir Jahre früher gewünscht.

Willst du tiefer einsteigen?

Meine ausführliche Einordnung aller drei Phasen – mit noch mehr Hintergrund und meiner persönlichen Geschichte dazu – findest du in meinem Live-Guide „Den hormonellen Wandel verstehen".

 

 
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Der große Grundlagentalk: Dr. Mary Claire Haver im Gespräch mit Andrew Huberman über die Wechseljahre – Teil 2

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