-
Die Perimenopause ist die Übergangsphase vor der Menopause, in der sich die Funktion der Eierstöcke verändert und die Sexualhormone zunehmend unregelmäßig schwanken. Sie kann mehrere Jahre dauern und beginnt häufig schon, während die Menstruation noch regelmäßig oder zumindest noch vorhanden ist.
Dabei passiert hormonell nicht einfach das, was oft verkürzt als „sinkendes Östrogen“ beschrieben wird. Östradiol kann in der Perimenopause zeitweise sehr hoch sein und anschließend stark abfallen. Gleichzeitig werden Eisprünge unregelmäßiger. Dadurch wird auch Progesteron nicht mehr in jedem Zyklus in gleicher Weise gebildet.
Genau diese Unberechenbarkeit ist typisch für die Perimenopause. Der Zyklus kann zunächst kürzer werden, später können größere Abstände zwischen den Blutungen entstehen. Manche Frauen bemerken kaum etwas, andere erleben Schlafprobleme, Hitzewallungen, Nachtschweiß, Stimmungsschwankungen, Brustspannen, stärkere oder veränderte Blutungen, Gehirnnebel oder andere Beschwerden.
Das erklärt auch, warum ein einzelner Hormonwert in dieser Phase häufig nur eine Momentaufnahme ist. Ein Estradiolwert kann an einem Tag hoch und kurze Zeit später wesentlich niedriger sein. Die Perimenopause wird deshalb bei Frauen im typischen Alter vor allem anhand von Zyklusveränderungen und Beschwerden eingeordnet – nicht anhand eines einzelnen Blutwertes.
Die Perimenopause endet mit der letzten Menstruation. Dass diese Blutung tatsächlich die Menopause war, weiß man allerdings erst rückblickend: wenn zwölf Monate lang keine weitere Menstruation aufgetreten ist.
-
Die Postmenopause ist der Lebensabschnitt nach der Menopause. Sie beginnt, nachdem rückblickend feststeht, dass seit der letzten natürlichen Menstruation zwölf Monate vergangen sind – und dauert anschließend für den Rest des Lebens.
Das ist ein Punkt, der leicht unterschätzt wird. Die Postmenopause ist nicht einfach das kurze Ende der Wechseljahre. Erlebt eine Frau ihre Menopause beispielsweise um das 50. Lebensjahr, kann sie noch 30 oder 40 Jahre in der Postmenopause leben.
Hormonell unterscheidet sich diese Zeit deutlich von der Perimenopause. Die starken zyklischen Schwankungen der Eierstockhormone gehen zurück. Die ovarielle Produktion von Estradiol und Progesteron bleibt dauerhaft sehr niedrig. Der Körper bildet weiterhin geringe Mengen an Östrogenen und Androgenen beziehungsweise wandelt Hormonvorstufen in anderen Geweben um – die hormonelle Situation der reproduktiven Jahre kehrt jedoch nicht zurück.
Manche Beschwerden der Perimenopause können mit der Zeit nachlassen. Hitzewallungen und Nachtschweiß verschwinden bei vielen Frauen irgendwann, können bei anderen aber noch lange bestehen bleiben.
Andere Veränderungen werden gerade in der Postmenopause besonders relevant. Der langfristig niedrigere Östrogeneinfluss betrifft unter anderem Knochen, Urogenitalgewebe, Haut und verschiedene Stoffwechselprozesse. Vaginale und vulväre Beschwerden des genitourinären Menopausensyndroms können beispielsweise ohne Behandlung bestehen bleiben oder sich verstärken.
Auch Knochengesundheit, Muskelmasse und Herz-Kreislauf-Risikofaktoren bekommen für die kommenden Jahrzehnte eine größere Bedeutung.
Postmenopause bedeutet deshalb nicht: „Die Wechseljahre sind vorbei und jetzt ist hormonell wieder alles wie vorher.“ Es ist eine neue, dauerhafte hormonelle Lebensphase – und für viele Frauen sogar eine der längsten ihres Lebens.
-
Progesteron ist eines der zentralen weiblichen Sexualhormone. Es wird nach dem Eisprung hauptsächlich vom Gelbkörper im Eierstock gebildet und bereitet unter anderem die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Schwangerschaft vor.
Damit erklärt sich auch, warum Progesteron in der Perimenopause oft früher unregelmäßig wird als Östrogen. Wenn Eisprünge seltener werden oder ausbleiben, entsteht kein normal funktionierender Gelbkörper – und damit fällt auch die für die zweite Zyklushälfte typische Progesteronproduktion geringer aus oder ganz weg.
Progesteron wirkt aber nicht nur auf die Gebärmutter. Im Gehirn können aus Progesteron sogenannte Neurosteroide entstehen, darunter Allopregnanolon. Dieses beeinflusst GABA-A-Rezeptoren. GABA ist eines der wichtigsten hemmenden Signalsysteme des Gehirns und wirkt gewissermaßen wie ein Bremspedal für die Aktivität von Nervenzellen.
Das ist auch ein Grund, warum mikronisiertes Progesteron bei manchen Frauen beruhigend oder schläfrig wirkt. Die Reaktion darauf kann allerdings sehr unterschiedlich sein.
Nach der natürlichen Menopause finden keine regelmäßigen Eisprünge mehr statt und damit entfällt auch die zyklische Progesteronproduktion der Eierstöcke weitgehend.
Eine weitere wichtige Rolle bekommt Progesteron bei einer systemischen Östrogentherapie: Hat eine Frau ihre Gebärmutter noch, muss die Gebärmutterschleimhaut vor einer dauerhaften alleinigen Östrogenstimulation geschützt werden. Dafür kann mikronisiertes Progesteron oder ein Gestagen eingesetzt werden.
Progesteron und Gestagen sind dabei nicht dasselbe. Progesteron bezeichnet das körpereigene Hormon beziehungsweise körperidentisches mikronisiertes Progesteron; Gestagene sind Substanzen mit progesteronähnlicher Wirkung.
-
Phytoöstrogene sind natürliche Pflanzenstoffe, deren chemische Struktur Ähnlichkeiten mit Östrogenen aufweist. Dadurch können einige von ihnen an Östrogenrezeptoren im menschlichen Körper binden – sie sind aber keine menschlichen Östrogene und wirken auch nicht genauso wie körpereigenes Estradiol.
Zu den bekanntesten Phytoöstrogenen gehören Isoflavone, die vor allem in Sojabohnen vorkommen, und Lignane, die beispielsweise in Leinsamen enthalten sind.
Besonders interessant ist, dass es verschiedene Östrogenrezeptoren gibt. Vereinfacht unterscheidet man vor allem ER-alpha und ER-beta. Soja-Isoflavone binden bevorzugt an ER-beta. Deshalb können Phytoöstrogene je nach Gewebe, körpereigenem Östrogenspiegel und Substanz unterschiedliche Wirkungen entfalten.
Auch der Darm spielt mit. Das Soja-Isoflavon Daidzein kann beispielsweise von bestimmten Darmbakterien zu Equol umgewandelt werden. Aber nicht jeder Mensch besitzt eine Darmflora, die das in gleichem Maße kann. Schon deshalb können zwei Frauen auf dieselben Sojaprodukte unterschiedlich reagieren.
Phytoöstrogene werden besonders im Zusammenhang mit Wechseljahresbeschwerden untersucht. Bei Soja und Isoflavonen zeigen Studien allerdings kein einheitliches Bild: Manche finden eine Verringerung von Hitzewallungen, andere keinen deutlichen Vorteil. Auch Präparat, Dosierung, Studiendauer und individuelle Unterschiede erschweren den Vergleich.
Phytoöstrogene sind deshalb weder einfach „natürliches Östrogen“ noch völlig wirkungslos. Spannender ist, dass bestimmte Pflanzenstoffe tatsächlich mit unseren Östrogenrezeptoren interagieren können – ihre Wirkung aber wesentlich komplexer und schwächer ist als die von körpereigenem Estradiol.
Zurück
Zurück
Weiter
Weiter