-
Wechseljahre“ ist ein umgangssprachlicher Sammelbegriff für die hormonellen Veränderungen rund um die Menopause. Medizinisch wird genauer zwischen Perimenopause, Menopause und Postmenopause unterschieden.
Die Perimenopause beginnt bereits Jahre vor der letzten Regelblutung. In dieser Zeit verändert sich die Funktion der Eierstöcke, Eisprünge werden unregelmäßiger und Östradiol und Progesteron können teilweise stark schwanken.
Die Menopause selbst ist keine jahrelange Phase, sondern bezeichnet die letzte Regelblutung. Dass es tatsächlich die letzte war, weiß man erst rückblickend: wenn zwölf Monate lang keine weitere Blutung aufgetreten ist.
Danach beginnt die Postmenopause – und die dauert für den Rest des Lebens.
Das ist ein wichtiger Punkt, denn häufig entsteht der Eindruck, die Wechseljahre seien irgendwann „vorbei“ und anschließend sei hormonell wieder alles wie vorher. Das ist nicht der Fall. Nach der Menopause produzieren die Eierstöcke dauerhaft nur noch sehr geringe Mengen Östradiol und Progesteron. Kleine Mengen an Östrogenen entstehen weiterhin in anderen Geweben, aber die hormonelle Situation bleibt eine andere als vor der Menopause.
Wie lange „die Wechseljahre“ dauern, hängt deshalb auch davon ab, was wir mit dem Begriff meinen. Die eigentliche Übergangsphase rund um die Menopause dauert einige Jahre. Die Postmenopause dagegen ist die neue hormonelle Lebensphase nach der Menopause – und begleitet eine Frau bis ans Lebensende.
Auch Beschwerden folgen keinem festen Zeitplan. Manche verschwinden nach der Übergangsphase wieder, andere können viele Jahre bestehen bleiben. Und einige Veränderungen, etwa an Knochen, Muskeln oder im Urogenitalbereich, werden gerade durch die langfristig niedrigen Östrogenspiegel nach der Menopause relevant.
-
Hitzewallungen, Nachtschweiß und Schlafprobleme kennen die meisten. Doch die möglichen Beschwerden rund um die Wechseljahre sind sehr viel vielfältiger. Je nachdem, welche Listen und Erfahrungsberichte man betrachtet, werden weit über 100 und teilweise sogar rund 250 unterschiedliche Symptome und Veränderungen genannt.
Eine offizielle medizinische Liste mit exakt 250 anerkannten Wechseljahressymptomen gibt es allerdings nicht. Und nicht alles, was Frauen in dieser Lebensphase erleben, wird automatisch durch Hormone verursacht.
Trotzdem ist die enorme Bandbreite nachvollziehbar. Östrogen- und andere Sexualhormonrezeptoren befinden sich nicht nur in den Fortpflanzungsorganen, sondern unter anderem auch in Gehirn, Knochen, Muskeln, Haut, Gefäßen und Geweben des Urogenitaltrakts. Hormonelle Veränderungen können sich deshalb an sehr unterschiedlichen Stellen bemerkbar machen.
Zu den bekannteren Beschwerden gehören Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlafstörungen, Zyklusveränderungen, Stimmungsschwankungen und vaginale Trockenheit. Daneben berichten Frauen aber auch über Gelenkschmerzen, Herzklopfen, Kopfschmerzen und Migräne, Brain Fog und Vergesslichkeit, innere Unruhe, Veränderungen von Haut und Haaren, Libidoverlust, schmerzhaften Sex, Blasenbeschwerden oder Veränderungen der Körperzusammensetzung.
Und die Beschwerden verändern sich mit den verschiedenen Phasen. In der Perimenopause stehen häufig die starken hormonellen Schwankungen im Vordergrund. Nach der Menopause sind die Eierstockhormone dauerhaft auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Manche Beschwerden verschwinden dann, andere können bleiben oder überhaupt erst stärker in den Vordergrund treten – beispielsweise Beschwerden des genitourinären Menopausensyndroms (GSM).
Genau deshalb können Wechseljahre bei zwei Frauen vollkommen unterschiedlich aussehen. Die eine hat vor allem Hitzewallungen, die nächste Schlafprobleme und Gelenkschmerzen, eine andere bemerkt hauptsächlich Veränderungen ihrer Stimmung oder Sexualität.
Und ebenso wichtig: Nicht jede Beschwerde zwischen 40 und 60 ist automatisch hormonbedingt. Neue oder ungewöhnliche Symptome sollten nicht allein deshalb den Wechseljahren zugeschrieben werden, weil sie zeitlich in diese Lebensphase fallen.
-
Manche Frauen erleben besonders in der Perimenopause eine Reizbarkeit oder Wut, die sie so von sich vorher gar nicht kannten. Kleinigkeiten bringen einen plötzlich auf die Palme, die Geduld ist schneller aufgebraucht und manchmal fühlt sich die eigene Reaktion hinterher selbst überraschend heftig an.
Das kann tatsächlich mit den hormonellen Veränderungen dieser Jahre zusammenhängen. Östradiol und Progesteron wirken nicht nur auf Zyklus und Fortpflanzungsorgane, sondern auch im Gehirn. Dort beeinflussen sie unter anderem Systeme, die an Stimmung, Stressverarbeitung und emotionaler Regulation beteiligt sind.
Besonders interessant ist die Perimenopause: Die Hormone sinken nicht einfach langsam und gleichmäßig ab. Östradiol kann teilweise stark schwanken, Eisprünge werden unregelmäßiger und damit verändert sich auch Progesteron. Gleichzeitig verändert sich die Bildung von Allopregnanolon, einem Abbauprodukt von Progesteron, das auf das beruhigend wirkende GABA-System im Gehirn einwirkt.
Nicht jede Frau reagiert darauf gleich. Offenbar gibt es Unterschiede darin, wie empfindlich das Gehirn auf hormonelle Veränderungen reagiert. Das könnte mit erklären, warum manche Frauen kaum psychische Veränderungen bemerken und andere plötzlich von Reizbarkeit, innerer Unruhe oder starken Stimmungsschwankungen überrascht werden.
Und dann kommt das Leben noch obendrauf: schlechter Schlaf, Nachtschweiß, Stress, Veränderungen im Körper, Beruf, Beziehungen oder die Sorge um ältere Eltern. Wer dauerhaft wenig Erholung bekommt, hat verständlicherweise auch weniger Puffer.
Wutausbrüche in den Wechseljahren sind deshalb nicht einfach „schlechte Laune“. Hormone können die Schwelle verändern, an der unser Nervensystem auf Belastung reagiert – gleichzeitig spielen Schlaf, Stress und die persönliche Lebenssituation mit hinein.
-
Plötzlich passen die Ringe schlechter, die Beine fühlen sich schwer an oder der Körper wirkt an manchen Tagen regelrecht aufgeschwemmt. Gerade in der Perimenopause berichten manche Frauen von solchen Veränderungen.
Dass Hormone unseren Flüssigkeitshaushalt beeinflussen können, ist durchaus plausibel. Östrogen und Progesteron wirken auf verschiedene Systeme, die mit Wasser- und Salzhaushalt zusammenhängen. Dazu gehören unter anderem die Nieren sowie Hormone, die steuern, wie viel Wasser und Natrium der Körper zurückhält oder wieder ausscheidet.
Viele Frauen kennen einen ähnlichen Effekt schon aus ihrem früheren Zyklus: An manchen Tagen fühlte sich der Körper voller oder aufgedunsener an und das Gewicht konnte kurzfristig schwanken. In der Perimenopause werden die hormonellen Schwankungen unregelmäßiger – und damit können sich auch solche Veränderungen weniger vorhersehbar anfühlen.
Wichtig ist die Unterscheidung zu Körperfett. Wasser kann das Gewicht und auch den Körperumfang innerhalb kurzer Zeit verändern. Fettgewebe entsteht dagegen nicht innerhalb von ein oder zwei Tagen. Wenn die Waage plötzlich ein Kilo mehr anzeigt und wenige Tage später wieder weniger, kann Flüssigkeit einen Teil dieser Schwankung erklären.
Allerdings steckt nicht hinter jeder Wassereinlagerung die Menopause. Hitze, langes Sitzen oder Stehen, viel Salz, bestimmte Medikamente und verschiedene Erkrankungen können ebenfalls zu Schwellungen führen.
Vor allem neu auftretende, starke oder einseitige Schwellungen sollte man deshalb nicht einfach den Hormonen zuschreiben, sondern abklären lassen.
Der Flüssigkeitshaushalt ist also tatsächlich ein weiterer Bereich, auf den unsere Sexualhormone Einfluss haben können. Gerade in der hormonell turbulenten Perimenopause kann das mit erklären, warum sich der eigene Körper manchmal innerhalb weniger Tage erstaunlich unterschiedlich anfühlt.
Zurück
Zurück
Weiter
Weiter