Die 6 Menopause-Typen nach Dr. Heather Hirsch: Welcher Typ bist du?
Je mehr ich mich mit Frauengesundheit beschäftige, desto häufiger lande ich bei einem Thema: Menopause. Das ist natürlich nicht ganz überraschend. Ich bin selbst in dieser Lebensphase. Und trotzdem stoße ich immer wieder auf Dinge, von denen ich vorher noch nie gehört habe.
So ging es mir auch mit dem Buch „Unlock Your Menopause Type“ der amerikanischen Ärztin und Menopause-Spezialistin Dr. Heather Hirsch.
Menopause-Typen? Davon hatte ich tatsächlich noch nie gehört. Und natürlich war meine erste Reaktion: Welcher Menopause-Typ bin eigentlich ich?
Denn Hirsch spricht nicht einfach über „die Wechseljahre“. Sie unterscheidet sechs sehr unterschiedliche Muster: Premature, Sudden, Full-Throttle, Mind-Altering, Seemingly Never-Ending und Silent.
Je länger ich mich mit ihrer Einteilung beschäftigt habe, desto spannender fand ich sie. Denn wir verwenden ständig denselben Begriff – Wechseljahre – für Erfahrungen, die vollkommen unterschiedlich aussehen können.
Die eine Frau wird von Hitzewallungen und Nachtschweiß regelrecht überrollt. Eine andere merkt vor allem, dass ihr Denken nicht mehr so funktioniert wie früher und kämpft mit Brain Fog und Konzentrationsproblemen. Bei der nächsten verändern sich Stimmung und psychische Belastbarkeit. Manche Frauen haben auch Jahre später noch ein oder zwei hartnäckige Beschwerden, beispielsweise vaginale Trockenheit oder eine deutlich verminderte Libido. Und wieder andere erleben ihre Perimenopause erstaunlich unauffällig.
So war es bei mir lange.
Ich kann heute rückblickend gar nicht behaupten, dass ich in meiner Perimenopause überhaupt keine Symptome hatte. Ich habe mir damals schlicht kaum Gedanken darüber gemacht. Begriffe wie Perimenopause und Postmenopause spielten in meinem Leben keine wirkliche Rolle und ich habe Veränderungen nicht daraufhin beobachtet, ob sie möglicherweise hormonell bedingt sein könnten.
Ich hatte jedenfalls nicht dieses ausgeprägte Perimenopausen-Chaos, von dem viele Frauen berichten. Erst später wurden einzelne Veränderungen für mich sehr deutlich – vor allem die zunehmende Trockenheit meiner Vaginalschleimhäute, die schließlich so ausgeprägt war, dass sogar kleine Mikrorisse entstanden.
Und genau deshalb finde ich Hirschs Modell so interessant. Denn vielleicht passen wir eben gar nicht sauber in eine einzige Schublade.
Was dich in diesem Artikel erwartet
Was sind die 6 Menopause-Typen nach Heather Hirsch?
Premature Menopause – wenn die Menopause sehr früh eintritt
Sudden Menopause – wenn die Menopause plötzlich kommt
Full-Throttle Menopause – wenn viele Beschwerden gleichzeitig auftreten
Mind-Altering Menopause – Brain Fog, Stimmung und Psyche
Seemingly Never-Ending Menopause – wenn Beschwerden bleiben
Silent Menopause – Wechseljahre mit kaum spürbaren Symptomen
Kann man mehrere Menopause-Typen gleichzeitig haben?
Welcher Menopause-Typ könnte zu dir passen? – kleiner Selbstcheck
Was ich an Heather Hirschs Ansatz besonders interessant finde
Buchempfehlung: Unlock Your Menopause Type
Häufige Fragen zu den Menopause-Typen
Was sind die 6 Menopause-Typen von Dr. Heather Hirsch?
Wichtig vorweg: Die sechs Menopause-Typen sind keine offiziellen medizinischen Diagnosekategorien.
Heather Hirsch hat dieses Modell aus ihrer klinischen Erfahrung entwickelt. Sie schreibt, dass sie mehr als tausend Frauen behandelt und ihre Beschwerden über längere Zeit verfolgt hat. Dabei erkannte sie sechs wiederkehrende Muster, aus denen schließlich ihre Menopause-Typen entstanden.
Die Idee dahinter ist nicht, Frauen sechs neue Etiketten zu geben. Hirsch versucht vielmehr zu erfassen, welche Beschwerden bei einer Frau tatsächlich im Vordergrund stehen, wie stark diese ihre Lebensqualität beeinträchtigen, wie die Menopause eingetreten ist und welche gesundheitliche und persönliche Vorgeschichte eine Frau mitbringt.
Deshalb beschränkt sich ihr Buch auch nicht auf die Frage nach einer Hormonersatztherapie. Je nach Typ und individueller Situation beschäftigt sie sich mit hormonellen und nicht hormonellen medizinischen Möglichkeiten, aber ebenso mit Schlaf, Bewegung, Ernährung, Stressregulation, psychischer Gesundheit, Sexualität, Beckenboden und langfristiger Gesundheitsvorsorge.
Ein weiterer Punkt macht das Konzept für mich besonders lebensnah: Mehrere Typen können gleichzeitig zu einer Frau passen. Auch Hirschs eigener Fragebogen ist so aufgebaut, dass mehrere Antworten und damit verschiedene Typen gleichzeitig zutreffen können.
Damit wird aus dem Modell weniger eine Diagnose als vielmehr eine interessante Frage: Wie sieht meine ganz persönliche Menopause eigentlich aus?
Die 6 Menopause-Typen im Überblick
Premature Menopause Type: Die Menopause tritt bereits vor dem 40. Lebensjahr ein.
Sudden Menopause Type: Die Menopause tritt abrupt ein, beispielsweise nach einer Operation oder bestimmten medizinischen Behandlungen.
Full-Throttle Menopause Type: Viele, teilweise sehr intensive Wechseljahresbeschwerden treten gleichzeitig auf.
Mind-Altering Menopause Type: Vor allem Brain Fog, Stimmung, Konzentration und psychische Veränderungen stehen im Vordergrund.
Seemingly Never-Ending Menopause Type: Ein oder zwei Beschwerden bleiben über lange Zeit bestehen, teilweise bis weit in die Postmenopause hinein.
Silent Menopause Type: Die Frau erlebt kaum oder keine klassischen Wechseljahresbeschwerden.
Schauen wir uns diese sechs Typen genauer an.
1. Premature Menopause Type: Wenn die Menopause vor dem 40. Lebensjahr eintritt
Beim Premature Menopause Type ist nicht in erster Linie entscheidend, welche Beschwerden auftreten, sondern wann die Menopause eintritt.
Heather Hirsch bezeichnet eine Menopause vor dem 40. Lebensjahr als Premature Menopause. Davon unterscheidet sie die Early Menopause, die zwischen 40 und 45 eintritt. In ihrem Buch nennt sie ein durchschnittliches Alter der natürlichen Menopause von ungefähr 51 Jahren.
Die möglichen Beschwerden können ansonsten ganz ähnlich aussehen wie bei einer Menopause im üblichen Alter. Hitzewallungen, Nachtschweiß, Stimmungsschwankungen, Brain Fog, vaginale Trockenheit und eine nachlassende Libido können genauso dazugehören. Das Besondere an diesem Typ ist also nicht ein bestimmtes Symptom, sondern das sehr frühe Alter.
Warum eine vorzeitige Menopause medizinisch besonders ist
Wenn die Eierstockfunktion viele Jahre früher nachlässt als normalerweise, geht es nicht allein darum, unangenehme Symptome zu lindern. Hirsch richtet den Blick deshalb stark auf die langfristige Gesundheit.
Sie beschreibt den frühen Verlust von Östrogen unter anderem im Zusammenhang mit Knochen, Herz-Kreislauf-System, Vaginal- und Blasengesundheit sowie kognitiver Gesundheit. Deshalb erhält der hormonelle Ersatz bei diesem Typ in ihrem Buch einen anderen Stellenwert als bei einer Frau, deren natürliche Menopause im üblichen Alter eintritt.
Eine Menopause mit 35 ist medizinisch also nicht dieselbe Ausgangslage wie eine natürliche Menopause mit Anfang 50. Alter und Zeitpunkt des Hormonverlustes spielen bei der Beurteilung der Behandlung eine wesentliche Rolle.
Wie nähert sich Hirsch der Behandlung der vorzeitigen Menopause?
Beim Premature Type geht es für Hirsch deshalb nicht nur um die Frage, welche Symptome eine Frau im Moment belasten. Sie beschäftigt sich auch damit, wie ihre langfristige Gesundheit geschützt werden kann, wenn die Eierstöcke deutlich früher aufgehört haben zu arbeiten.
In ihrem Buch spielt Hormonersatz bei diesem Typ eine zentrale Rolle. Hirsch unterscheidet sogar sprachlich zwischen menopausaler Hormontherapie und Hormonersatz bei Premature beziehungsweise Early Menopause, weil hier Hormone ersetzt werden sollen, die der Körper in diesem Alter normalerweise noch produzieren würde.
Bei vorhandener Gebärmutter muss eine Östrogentherapie in der Regel mit einem Schutz der Gebärmutterschleimhaut kombiniert werden. Auch Testosteron kann bei ausgewählten Frauen eine Rolle spielen.
Gleichzeitig zeigt Hirsch anhand ihrer Fallbeispiele, dass nicht jede Frau systemische Hormone verwenden kann oder möchte. In solchen Situationen behandelt sie einzelne Beschwerden gezielt und beschreibt beispielsweise Bewegung, Beckenbodentherapie, vaginale Pflege, lokale hormonelle Therapien oder andere Medikamente als mögliche Bestandteile eines individuellen Behandlungsplans.
Auch die psychische Seite bekommt in diesem Kapitel Raum. Eine Menopause vor 40 kann schließlich Fragen nach Fruchtbarkeit und Kinderwunsch aufwerfen und das Selbstbild oder die eigene Lebensplanung beeinflussen. Das ist typisch für Hirschs Herangehensweise:
Sie betrachtet nicht nur das Symptom oder einen Laborwert, sondern auch die Lebenssituation der Frau.
2. Sudden Menopause Type: Wenn die Menopause plötzlich eintritt
Beim zweiten Typ liegt der Schwerpunkt weniger auf dem Alter als auf der Geschwindigkeit. Die Sudden Menopause kommt abrupt.
Hirsch nennt beispielsweise die operative Entfernung der Eierstöcke oder bestimmte Krebsbehandlungen wie Chemotherapie als mögliche Auslöser.
Bei einer natürlichen Perimenopause verändert sich die Hormonproduktion häufig über einen längeren Zeitraum. Hormone schwanken, Blutungen verändern sich und Phasen mit stärkeren und schwächeren Beschwerden können sich abwechseln. Bei einer plötzlich ausgelösten Menopause kann dieser allmähliche Übergang fehlen.
Hirsch beschreibt die Sudden Menopause deshalb als einen möglichen Schock für den Körper, sowohl aufgrund der Plötzlichkeit des Hormonverlustes als auch aufgrund der teilweise sehr intensiven Beschwerden.
Der Schock kann körperlich und emotional sein
Besonders interessant finde ich, dass Hirsch hier nicht nur auf den abrupten Hormonabfall schaut. Eine Frau, deren Menopause beispielsweise durch eine Krebstherapie ausgelöst wird, erlebt möglicherweise gleichzeitig eine enorme psychische Belastung. Vielleicht hat sie gerade eine Krebsdiagnose bekommen, musste eine schwierige Entscheidung über eine Operation treffen, hat Angst vor ihrer Zukunft oder trauert um ihre Fruchtbarkeit.
Die hormonelle Veränderung findet also nicht isoliert statt, sondern möglicherweise mitten in einer ohnehin extrem belastenden Lebenssituation. Hirsch bezieht dieses Zusammentreffen körperlicher und emotionaler Faktoren ausdrücklich in ihre Betrachtung des Sudden Type ein.
Welche Behandlungsmöglichkeiten beschreibt Hirsch beim Sudden Type?
Auch hier arbeitet Hirsch mit unterschiedlichen Ebenen. Für Frauen, bei denen eine systemische Hormontherapie infrage kommt, beschreibt sie entsprechende Behandlungsmöglichkeiten. In ihrem eigenen Schema bevorzugt sie beim Sudden Type häufig transdermales Östrogen, beispielsweise als Pflaster oder Gel. Bei vorhandener Gebärmutter kommt der notwendige Schutz der Gebärmutterschleimhaut hinzu.
Für Frauen, die systemische Hormone nicht verwenden können oder möchten, beschreibt sie nicht hormonelle und symptomorientierte Strategien.
Ein großes Thema ist dabei die Vaginal- und Vulvagesundheit. Nach einem abrupten Hormonverlust können vaginale Trockenheit und andere Beschwerden sehr ausgeprägt sein. Je nach individueller Situation beschreibt Hirsch unter anderem vaginales Prasteron oder nicht hormonelle Feuchtigkeitspflege mit Hyaluronsäure. Außerdem unterscheidet sie zwischen vaginalen Feuchtigkeitsprodukten, die regelmäßig angewendet werden, und Gleitmitteln, deren Hauptaufgabe darin besteht, die Reibung beim Sex zu reduzieren.
Gerade an diesem Kapitel wird bereits deutlich, was mir an Hirschs Ansatz gefällt: Sie setzt Menopause nicht automatisch mit Hormontherapie gleich. Entscheidend sind die individuelle Situation, die medizinische Vorgeschichte, die konkreten Beschwerden und auch die Wünsche der Frau.
3. Full-Throttle Menopause Type: Wenn viele Wechseljahresbeschwerden gleichzeitig auftreten
Der Begriff Full-Throttle bedeutet ungefähr Vollgas. Ich finde „volle Breitseite“ fast passender, denn bei diesem Typ geht es nicht um ein einzelnes hartnäckiges Symptom, sondern um ein ganzes Bündel teilweise sehr intensiver Wechseljahresbeschwerden.
Hirsch beschreibt Frauen mit starken Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlafstörungen, Erschöpfung, Brain Fog, Haarverlust, Libidoverlust und weiteren körperlichen oder emotionalen Beschwerden. Der Typ kann so ausgeprägt sein, dass Frauen das Gefühl bekommen, ihr eigener Körper funktioniere plötzlich überhaupt nicht mehr wie vorher.
Warum Full-Throttle schwer einzuordnen sein kann
Je mehr unterschiedliche Beschwerden auftreten, desto schwieriger kann es paradoxerweise werden, einen Zusammenhang zu erkennen. Vielleicht wird zunächst nur der schlechte Schlaf behandelt. Später kommen Gelenkbeschwerden hinzu, dann Brain Fog, Stimmungsschwankungen oder Libidoverlust. Jedes Symptom wirkt für sich wie ein eigenes Problem.
Natürlich müssen neue oder starke Beschwerden medizinisch abgeklärt werden. Nicht alles, was einer Frau in der Lebensmitte passiert, ist automatisch hormonell bedingt. Hirschs Ansatz eröffnet jedoch zusätzlich die Frage, ob die hormonelle Umstellung möglicherweise an mehreren dieser Beschwerden gleichzeitig beteiligt sein könnte.
Hirsch priorisiert zunächst die belastendsten Beschwerden
Ein interessanter Punkt in ihrem Full-Throttle-Kapitel ist die Priorisierung. Hirsch versucht nicht zwangsläufig, sämtliche Beschwerden gleichzeitig zu behandeln, sondern schaut zunächst darauf, was die Lebensqualität einer Frau am stärksten beeinträchtigt.
In einem ihrer Fallbeispiele stellt sie beispielsweise die Libido zunächst zurück und konzentriert sich darauf, Schlaf und allgemeines körperliches Wohlbefinden zu verbessern.
Das klingt zunächst selbstverständlich, ist aber ein wichtiger Gedanke. Wenn eine Frau seit Monaten kaum schläft, ständig unter Hitzewallungen oder Nachtschweiß leidet und völlig erschöpft ist, kann es sinnvoll sein, zunächst diese besonders belastenden Beschwerden zu behandeln und anschließend neu zu beurteilen, welche Probleme überhaupt noch bestehen.
Hormontherapie beim Full-Throttle Type
Für Frauen, bei denen keine entsprechenden Gegenanzeigen bestehen, beschreibt Hirsch systemische Hormontherapie als eine wichtige Behandlungsoption. Sie diskutiert verschiedene Formen von Östrogen, unter anderem oral sowie als Pflaster oder Gel, und bei vorhandener Gebärmutter den notwendigen Schutz der Gebärmutterschleimhaut durch Progesteron beziehungsweise ein Gestagen.
Bei ausgeprägter vaginaler Trockenheit kann zusätzlich eine lokale vaginale Östrogentherapie notwendig sein.
Auch Testosteron kommt bei Libidoverlust zur Sprache, allerdings nicht automatisch als erste Maßnahme. Hirsch beschreibt, dass sie zunächst versucht, Schlaf und allgemeines Befinden zu stabilisieren und anschließend beurteilt, ob eine zusätzliche Testosterontherapie überhaupt noch notwendig beziehungsweise sinnvoll ist.
Was, wenn eine Frau keine Hormone nehmen kann oder möchte?
Auch dafür beschreibt Hirsch einen eigenen Behandlungsweg. Je nach Beschwerden kommen beispielsweise bestimmte nicht hormonelle Medikamente infrage, darunter bestimmte SSRI oder SNRI zur Behandlung vasomotorischer Symptome wie Hitzewallungen.
Daneben spielen Lebensstilfaktoren eine Rolle. Hirsch macht allerdings deutlich, dass es keine magische Ernährungsweise gibt, die sämtliche Menopausensymptome verschwinden lässt. Sie beschäftigt sich unter anderem mit einer ausreichenden Zufuhr von Protein und Ballaststoffen sowie mit dem Reduzieren stark raffinierter Kohlenhydrate.
Außerdem weist sie darauf hin, dass Alkohol und Koffein bei manchen Frauen Hitzewallungen verstärken oder den Schlaf beeinträchtigen können.
Auch Bewegung, Stressreduktion und Schlafmanagement gehören zu ihrem Ansatz. Es geht also nicht um „natürlich statt medizinisch“, sondern darum, medizinische Behandlung und Lebensstilmaßnahmen dort miteinander zu verbinden, wo es für die einzelne Frau sinnvoll ist.
4. Mind-Altering Menopause Type: Brain Fog und Psyche in den Wechseljahren
Der vierte Typ ist für mich einer der spannendsten: Mind-Altering.
Hier müssen Hitzewallungen gar nicht im Mittelpunkt stehen. Stattdessen dominieren Veränderungen der Stimmung und der kognitiven Leistungsfähigkeit. Hirsch beschreibt unter anderem Brain Fog, Konzentrationsprobleme, Gedächtnisschwierigkeiten, Angst, depressive Verstimmungen, Reizbarkeit und ausgeprägte Stimmungsschwankungen.
Brain Fog bedeutet dabei nicht zwangsläufig nur, gelegentlich die Schlüssel zu verlegen. Frauen können das Gefühl bekommen, beruflich nicht mehr so leistungsfähig zu sein wie früher. Wörter fehlen, Gedankengänge reißen ab oder die Konzentration fällt plötzlich deutlich schwerer.
Hirsch beschreibt in ihrem Buch beispielsweise eine Patientin, die aufgrund ihrer kognitiven Veränderungen schließlich Angst bekam, an einer frühen Demenz zu leiden.
Was haben Hormone mit Brain Fog in den Wechseljahren zu tun?
Hirsch beschreibt diesen Zusammenhang ausdrücklich als komplex. Veränderungen der Reproduktionshormone, insbesondere Estradiol, können ihrer Darstellung zufolge unter anderem Aufmerksamkeit sowie verbales und Arbeitsgedächtnis beeinflussen und damit zu dem Symptomcluster beitragen, den viele Frauen als Brain Fog erleben.
Gleichzeitig macht Hirsch daraus keine einfache Gleichung nach dem Motto: Brain Fog bedeutet Östrogenmangel und deshalb braucht eine Frau Östrogen.
Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass Hormontherapie nicht als spezifische Erstlinientherapie für menopausalen Brain Fog empfohlen wird. Wenn allerdings gleichzeitig starke Hitzewallungen, Nachtschweiß oder andere Beschwerden bestehen, für die eine Hormontherapie infrage kommt, kann die Gesamtsituation anders beurteilt werden.
Was, wenn gar nicht alles die Hormone sind?
Hier kommt für mich einer der stärksten Gedanken des ganzen Buches. Hirsch erinnert daran, was in dieser Lebensphase gleichzeitig noch alles passieren kann.
Viele Frauen kümmern sich um älter werdende Eltern, während ihre Kinder selbstständiger werden oder aus dem Haus gehen. Beziehungen verändern sich, Trennungen können passieren und im Beruf wächst möglicherweise gleichzeitig die Verantwortung. All das findet in einer Phase statt, in der sich auch der eigene Körper verändert.
Hirsch beschreibt dieses Zusammentreffen körperlicher, persönlicher, beruflicher, emotionaler und sozialer Veränderungen ausdrücklich.
Genau dieser Gedanke gefällt mir: Hormone existieren nicht in einem Vakuum. Sie treffen auf ein Leben.
Wie behandelt Hirsch den Mind-Altering Type?
Die Behandlung ist entsprechend individuell. In Hirschs Fallbeispielen kommen unter anderem Antidepressiva, kognitive Verhaltenstherapie, Progesteron, Bewegung, Lichttherapie und die Stabilisierung des Schlafrhythmus vor.
Auch die kognitive Verhaltenstherapie, kurz CBT, beschreibt sie als wichtige Möglichkeit, wenn Angst oder depressive Beschwerden die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
Bewegung nimmt in diesem Kapitel ebenfalls viel Raum ein. Hirsch beschäftigt sich mit Untersuchungen zu Gehen, Pilates, Yoga und anderen Formen körperlicher Aktivität und deren möglichen Effekten auf Stimmung, Schlaf, Angst und Wohlbefinden. Dabei geht es nicht darum, die eine perfekte Sportart zu finden, sondern um regelmäßige Bewegung, die zur jeweiligen Frau und ihrem Leben passt.
Auch Achtsamkeit und der Umgang mit Grübelschleifen spielen eine Rolle. Hirsch beschäftigt sich unter anderem mit Mindfulness-Based Stress Reduction und damit, wie anhaltendes Grübeln Angst und depressive Zustände verstärken kann.
Gerade in diesem Kapitel wird besonders deutlich, dass ihr Buch keine reine Anleitung zur Hormontherapie ist. Ihr Blick auf Menopause umfasst auch psychisches Wohlbefinden und die Lebenssituation der Frau.
5. Seemingly Never-Ending Menopause Type: Wenn Wechseljahresbeschwerden nicht verschwinden
Der fünfte Typ heißt Seemingly Never-Ending, also ungefähr „scheinbar niemals endend“.
Wichtig ist dabei, was Hirsch mit diesem Begriff nicht meint: Die hormonellen Schwankungen der Perimenopause dauern nicht zwangsläufig ewig an. Eine Frau kann längst postmenopausal sein und trotzdem ein oder zwei Beschwerden haben, die einfach nicht verschwinden.
Hirsch nennt beispielsweise gelegentliche Hitzewallungen, anhaltende vaginale Trockenheit, eine niedrige Libido, Schwindel oder Veränderungen des Geruchssinns.
Und hier erkenne ich mich ein Stück weit wieder
Ich hatte dieses typische große Perimenopausen-Chaos nicht. Aber später bekam ich massive Probleme mit trockenen Vaginalschleimhäuten, bis hin zu kleinen Mikrorissen.
Genau deshalb bin ich beim Lesen dieses Kapitels hängen geblieben. Denn manche Beschwerden verschwinden eben nicht automatisch, nur weil die starken Hormonschwankungen der Perimenopause vorbei sind.
Hirsch behandelt diesen Typ sehr symptomorientiert
Wenn eine Frau nur ein oder zwei hartnäckige Beschwerden hat, muss nicht automatisch „die ganze Menopause“ behandelt werden. Vielmehr stellt sich die Frage, was tatsächlich noch vorhanden ist und wie genau dieses Problem am sinnvollsten angegangen werden kann.
Bei anhaltenden Hitzewallungen diskutiert Hirsch andere Möglichkeiten als bei GSM, niedriger Libido oder Blasenbeschwerden. Für diesen Typ beschreibt sie sowohl hormonelle als auch nicht hormonelle Behandlungswege und ergänzt diese durch Lifestyle-Maßnahmen.
Warum vaginale Trockenheit nach der Menopause bleiben kann
GSM – das Genitourinäre Syndrom der Menopause – kann die Vaginal- und Vulvagewebe sowie die Harnwege betreffen. Hirsch beschreibt damit Veränderungen und Beschwerden dieser Gewebe, die mit dem Östrogenverlust und veränderten Bedingungen im Gewebe zusammenhängen.
Zu den möglichen Beschwerden gehören vaginale Trockenheit, Schmerzen beim Sex, Beschwerden beim Wasserlassen oder wiederkehrende Harnwegsprobleme. Hirsch behandelt diese Beschwerden nicht als lästige Kleinigkeit, denn sie können Sexualität, Alltag und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Bei vorwiegend lokalen Beschwerden beschreibt sie unter anderem niedrig dosierte vaginale Östrogentherapie. Das ist ein wichtiger Unterschied, denn nicht jedes hormonabhängige Symptom erfordert automatisch eine systemische Hormontherapie. Bei manchen Beschwerden kann eine gezielte lokale Behandlung im Vordergrund stehen.
Niedrige Libido in der Postmenopause
Auch eine anhaltend niedrige Libido zählt Hirsch zu den möglichen Beschwerden dieses Typs. Bei ausgewählten Frauen erwähnt sie niedrig dosiertes topisches Testosteron als eine mögliche Behandlungsoption.
Das ist allerdings keine allgemeine Empfehlung an jede Frau, die weniger Lust verspürt. Auch hier geht es um die individuelle Situation und den passenden medizinischen Kontext.
Erst prüfen: Ist es wirklich die Menopause?
Einen Punkt finde ich besonders wichtig: Bei Beschwerden, die über viele Jahre bestehen, empfiehlt Hirsch teilweise ausdrücklich, andere mögliche Ursachen auszuschließen.
Bei sehr lang anhaltenden Hitzewallungen können beispielsweise Untersuchungen auf Schilddrüsenerkrankungen oder Diabetes sinnvoll sein. Bei wiederkehrenden Schmerzen oder Beschwerden beim Wasserlassen sollte geklärt werden, ob tatsächlich eine bakterielle Harnwegsinfektion vorliegt oder eher GSM die Ursache ist.
Das ist eine wichtige Erinnerung daran, dass nicht jedes Symptom in der Postmenopause automatisch ein Wechseljahressymptom ist.
6. Silent Menopause Type: Die stille Menopause ohne große Symptome
Und dann gibt es den Typ, bei dem ich beim Lesen sofort dachte: Das kenne ich.
Der Silent Menopause Type beschreibt Frauen, die weitgehend frei von klassischen Menopausensymptomen sind.
Rückblickend erkenne ich mich darin ziemlich gut wieder. Ich hatte nicht dieses große Perimenopausen-Chaos, keine dramatischen Hitzewallungen und keine Phase, in der ich dachte: Was um Himmels willen passiert gerade mit mir?
Ich habe mir damals über Perimenopause, Menopause und Postmenopause ehrlich gesagt kaum Gedanken gemacht. Genau deshalb finde ich diesen Typ so interessant.
Keine Symptome heißt nicht: keine hormonelle Veränderung
Das ist ein wichtiger Gedanke beim Silent Type. Eine Frau kann sich vollkommen gut fühlen, während sich ihre hormonelle Situation trotzdem verändert.
Deshalb verschiebt sich bei diesem Typ der Fokus. Es geht weniger um akute Symptomlinderung und stärker um langfristige Gesundheit und Vorsorge.
Hirsch schreibt, dass es für den weitgehend symptomfreien Silent Type keinen klassischen Behandlungsplan gibt. Konkrete Beschwerden sollen behandelt werden, wenn sie auftreten; ansonsten rücken Lebensstil und langfristige Gesundheitsvorsorge stärker in den Mittelpunkt.
Knochengesundheit in der Postmenopause
Ein Bereich, dem Hirsch viel Raum gibt, ist die Knochengesundheit. Östrogen beeinflusst den Knochenumbau, und nach der Menopause kann sich das Gleichgewicht zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau verändern.
Für die langfristige Knochengesundheit spielen deshalb unter anderem Bewegung, Ernährung, eine ausreichende Proteinversorgung sowie Kalzium und Vitamin D eine Rolle.
Gerade beim Silent Type ist dieser Gedanke interessant. Eine Frau braucht vielleicht keine Behandlung gegen Hitzewallungen oder Nachtschweiß, aber das bedeutet nicht, dass Themen wie Knochengesundheit und Vorsorge keine Rolle spielen.
Herz-Kreislauf-Gesundheit ist nicht gleich HRT zur Vorbeugung
Auch hier differenziert Hirsch.
In einem ihrer Fallbeispiele kommt eine postmenopausale Frau wegen erhöhter Cholesterinwerte zu ihr und fragt nach Hormontherapie. Hirsch erklärt, dass Hormontherapie nicht als Behandlung erhöhter Cholesterinwerte beziehungsweise zur allgemeinen Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt wird, und beurteilt stattdessen das individuelle kardiovaskuläre Risiko.
Das verhindert eine wichtige Verkürzung: Dass Östrogen verschiedene Körpersysteme beeinflusst, bedeutet nicht automatisch, dass Hormontherapie für jedes langfristige Gesundheitsziel die richtige Behandlung ist.
Und die vaginale Gesundheit beim Silent Type?
Dieser Teil interessiert mich natürlich besonders. Hirsch schreibt, dass sie bei manchen Frauen mit Silent Type niedrig dosiertes vaginales Östrogen erwägt, um die urogenitale Gesundheit beziehungsweise Beschwerden in diesem Bereich zu adressieren.
Wichtig ist dabei die Formulierung „bei manchen Frauen“. Es handelt sich nicht um eine pauschale Empfehlung für jede symptomfreie postmenopausale Frau.
Mein Gedanke dazu
An diesem Punkt hadere ich ein wenig mit Hirschs eher zurückhaltender Herangehensweise. Denn der Östrogenabfall findet natürlich auch bei Frauen statt, die kaum oder keine klassischen Wechseljahresbeschwerden haben – und er betrifft auch das Gewebe von Vulva, Vagina und Harnwegen. Deshalb beschäftigt mich die Frage, ob man in diesem Bereich wirklich erst reagieren sollte, wenn deutliche Beschwerden entstanden sind. Andere Menopause-Expertinnen vertreten hier eine deutlich offensivere Haltung. Ich finde diese unterschiedlichen Sichtweisen spannend und möchte mir die Frage, ob vaginales Östrogen erst bei Beschwerden oder möglicherweise schon früher sinnvoll sein kann, noch einmal genauer anschauen.
Aber es zeigt noch einmal, was „Silent“ eigentlich bedeutet: Nicht, dass im Körper nichts passiert, sondern zunächst nur, dass eine Frau wenige oder keine typischen Wechseljahresbeschwerden erlebt.
Kann man mehrere Menopause-Typen gleichzeitig haben?
Ja – und gerade das macht Hirschs Modell für mich interessant.
Wenn ich mich selbst frage, welcher Typ ich bin, wäre meine Antwort nicht eindeutig. Meine Perimenopause würde ich rückblickend eher mit dem Silent Menopause Type verbinden. Ich hatte nicht dieses klassische Chaos und kaum Beschwerden, die ich damals bewusst mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht hätte.
Später bekam ich allerdings starke vaginale Trockenheit. Damit erkenne ich mich auch ein Stück weit im Seemingly Never-Ending Type wieder.
Solche Überschneidungen lässt Hirschs Modell ausdrücklich zu. Auch in ihrem eigenen Quiz können mehrere Antworten gleichzeitig passen.
Vielleicht ist das sogar einer der wichtigsten Punkte des ganzen Konzepts: Die Menopause-Typen sind keine Identitäten und keine starren Schubladen. Sie sind eher eine Landkarte, mit deren Hilfe sich die eigene Erfahrung etwas genauer betrachten lässt.
Kleiner Selbstcheck: Welcher Menopause-Typ könnte zu dir passen?
Heather Hirsch hat in ihrem Buch einen eigenen Menopause-Type-Test entwickelt. Ich bilde diesen hier bewusst nicht eins zu eins ab und übersetze ihn auch nicht einfach, weil er Teil ihres Buches und ihres Konzepts ist.
Aber auf Grundlage ihrer sechs Typen lassen sich einige einfache Fragen formulieren, die eine erste Orientierung geben können.
Dieser kleine Selbstcheck ist von Heather Hirschs Modell inspiriert, aber nicht ihr Originaltest und natürlich keine medizinische Diagnose.
Ist deine Menopause bereits vor deinem 40. Geburtstag eingetreten? Dann passt deine Geschichte am ehesten zum Premature Menopause Type.
Kam deine Menopause sehr abrupt, beispielsweise nach einer Operation oder medizinischen Behandlung? Dann könnte der Sudden Menopause Type zu deiner Erfahrung passen.
Hattest oder hast du gleichzeitig viele starke körperliche und psychische Beschwerden? Das erinnert eher an den Full-Throttle Menopause Type.
Stehen vor allem Brain Fog, Konzentrationsprobleme, Angst, depressive Verstimmungen, Reizbarkeit oder starke Stimmungsschwankungen im Vordergrund? Dann könntest du dich im Mind-Altering Type wiedererkennen.
Sind es eigentlich nur ein oder zwei Beschwerden, aber sie begleiten dich über Jahre oder kommen immer wieder? Das entspricht eher dem Seemingly Never-Ending Type.
Hast du deine Perimenopause weitgehend unauffällig erlebt und hattest kaum klassische Beschwerden? Dann könntest du dich im Silent Menopause Type wiedererkennen.
Wenn mehrere dieser Beschreibungen passen, ist das kein Widerspruch. Auch Hirschs eigener Fragebogen ist ausdrücklich so aufgebaut, dass mehrere Antworten und damit verschiedene Typen gleichzeitig zutreffen können.
Was ich an Heather Hirschs Buch besonders mag
Je mehr ich mich mit Frauengesundheit beschäftige, desto deutlicher wird mir, wie selten es auf komplexe Fragen wirklich einfache Antworten gibt.
Gerade rund um die Wechseljahre begegnen einem schnell sehr eindeutige Empfehlungen: ein bestimmtes Hormon, ein Supplement, eine bestimmte Ernährungsweise oder genau dieses eine Training.
Heather Hirsch geht in ihrem Buch einen differenzierteren Weg, und genau das gefällt mir an ihrer Herangehensweise.
Natürlich spielen Hormone und medizinische Behandlungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle. Aber sie betrachtet sie nie losgelöst vom Rest. Sie bezieht Schlaf, Bewegung und Ernährung ebenso ein wie Stress, psychische Gesundheit, Sexualität, Beckenboden sowie die langfristige Knochen- und Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Vor allem richtet sie den Blick immer wieder auf die einzelne Frau: Welche Beschwerden stehen bei ihr tatsächlich im Vordergrund? Was beeinträchtigt ihre Lebensqualität am stärksten? Welche medizinische Vorgeschichte bringt sie mit? Und welche Behandlung passt zu ihrer konkreten Situation?
Beim Full-Throttle Type kann das beispielsweise bedeuten, zunächst Schlaf und besonders belastende Beschwerden zu behandeln, bevor die Libido überhaupt zum Thema wird.
Beim Mind-Altering Type können psychotherapeutische Ansätze, Bewegung und Schlaf ebenso relevant sein wie die Frage nach einer hormonellen Behandlung.
Beim Seemingly Never-Ending Type wiederum kann eine einzelne hartnäckige Beschwerde eine sehr gezielte Therapie erfordern, während beim weitgehend symptomfreien Silent Type langfristige Gesundheitsvorsorge stärker in den Vordergrund rückt.
Genau dieser umfassendere Blick macht das Buch für mich interessant. Es geht nicht nur darum, welcher Hormonspiegel sich verändert oder welches Medikament gegen welches Symptom eingesetzt werden kann. Es geht darum, wie es einer Frau in dieser Lebensphase insgesamt geht – körperlich, psychisch und in ihrem Leben.
Menopause ist nicht gleich Menopause: Perimenopause und Postmenopause können völlig unterschiedlich aussehen
Vielleicht ist das am Ende die wichtigste Erkenntnis aus Heather Hirschs Modell: Wir benutzen dasselbe Wort – Wechseljahre – für Erfahrungen, die vollkommen unterschiedlich aussehen können, sowohl in der Perimenopause als auch Jahre später in der Postmenopause.
Eine Frau leidet massiv unter einer Vielzahl von Beschwerden, eine andere merkt fast nichts. Eine dritte erlebt vor allem psychische oder kognitive Veränderungen, während bei einer vierten noch Jahre später ein oder zwei Beschwerden bestehen bleiben.
Keine dieser Geschichten ist deshalb richtiger oder falscher.
Vielleicht hilft Hirschs Modell gerade deshalb so gut. Nicht weil wir dringend sechs neue Schubladen brauchen, sondern weil es sichtbar macht, dass die Menopause meiner Freundin nicht aussehen muss wie meine – und meine nicht wie deine.
Buchempfehlung: „Unlock Your Menopause Type“ von Dr. Heather Hirsch
Wenn du Englisch lesen kannst, kann ich dir „Unlock Your Menopause Type“ wirklich empfehlen. Leider gibt es das Buch bislang nicht auf Deutsch, und das finde ich schade, denn die sechs Menopause-Typen sind eigentlich nur der Einstieg.
Heather Hirsch geht anschließend sehr detailliert darauf ein, wie sich unterschiedliche Beschwerden zeigen können und welche Behandlungsmöglichkeiten sie in ihrer Praxis erwägt. Dabei geht es um Hormontherapie und nicht hormonelle Medikamente ebenso wie um lokale Therapien bei vaginalen Beschwerden, Beckenbodentherapie, Psychotherapie, Schlaf, Bewegung, Ernährung, Stressregulation, Achtsamkeit und langfristige Gesundheitsvorsorge.
Gerade diese Verbindung verschiedener Ebenen gefällt mir an dem Buch. Es geht nicht nur um Hormone, sondern um die Frau, die mit diesen Hormonen lebt – und für mich ist das ein sehr interessanter Blick auf Frauengesundheit.
Häufige Fragen zu den 6 Menopause-Typen
Sind die sechs Menopause-Typen eine offizielle medizinische Diagnose?
Nein. Die sechs Menopause-Typen sind ein von Dr. Heather Hirsch aus ihrer klinischen Erfahrung entwickeltes Modell und keine offiziellen medizinischen Diagnosekategorien. Hirsch beschreibt sie als sechs Muster, die ihr bei der Betreuung von mehr als tausend Frauen immer wieder begegnet sind.
Kann ich mehrere Wechseljahre-Typen gleichzeitig haben?
Ja. Mehrere Typen können gleichzeitig zu einer Frau passen. Auch Hirschs eigener Fragebogen lässt mehrere Antworten zu.
Was unterscheidet den Silent Type vom Seemingly Never-Ending Type?
Beim Silent Type stehen kaum oder keine klassischen Menopausensymptome im Vordergrund. Beim Seemingly Never-Ending Type gibt es dagegen meist ein oder zwei konkrete Beschwerden, die über lange Zeit bestehen bleiben – beispielsweise gelegentliche Hitzewallungen, vaginale Trockenheit oder eine niedrige Libido.
Kann vaginale Trockenheit erst in der Postmenopause ein Problem werden?
Urogenitale Beschwerden können auch nach der menopausalen Übergangsphase fortbestehen beziehungsweise im weiteren Verlauf deutlicher werden. Hirsch zählt anhaltende vaginale Trockenheit ausdrücklich zu den möglichen Beschwerden ihres Seemingly Never-Ending Type.
Gibt es „Unlock Your Menopause Type“ auf Deutsch?
Nach aktuellem Stand gibt es keine deutsche Ausgabe des Buches.
Hinweis
Die sechs Menopause-Typen sind ein von Dr. Heather Hirsch entwickeltes Modell und keine offiziellen medizinischen Diagnosekategorien. Die in diesem Artikel beschriebenen medizinischen Ansätze stammen aus ihrem Buch „Unlock Your Menopause Type“ und werden hier zusammenfassend vorgestellt. Sie sind keine individuelle Behandlungsempfehlung. Hormontherapien, verschreibungspflichtige Medikamente und andere medizinische Maßnahmen sollten immer anhand der persönlichen Gesundheitsgeschichte mit einer entsprechend qualifizierten Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.
Was ich aus Heather Hirschs Menopause-Typen mitnehme
Ich bin mit der Frage „Welcher Menopause-Typ bin ich eigentlich?“ in Heather Hirschs Buch eingestiegen. Und am Ende finde ich fast interessanter, dass die Antwort gar nicht so eindeutig sein muss.
Rückblickend erkenne ich mich im Silent Type wieder, gleichzeitig aber auch ein Stück weit im Seemingly Never-Ending Type. Und genau das zeigt für mich sehr schön, worum es bei diesem Modell eigentlich geht: nicht darum, sich möglichst eindeutig einer neuen Kategorie zuzuordnen, sondern die eigene Geschichte etwas besser zu verstehen.
Vielleicht ist es auch genau das, was ich aus diesem Buch am stärksten mitnehme. Wir sprechen so selbstverständlich von „den Wechseljahren“, als wäre das eine Erfahrung, die bei allen Frauen ungefähr gleich abläuft. Dabei können die Beschwerden, der Zeitpunkt, die Intensität und auch das, was eine Frau in dieser Lebensphase braucht, vollkommen unterschiedlich sein.
Es gibt nicht die eine Menopause. Es gibt unsere ganz persönliche Geschichte damit. Und die darf genauso individuell sein wie wir selbst.